Bedrückend zeitlos: „Die Welle“
Bild: Fiekas
Fatales Menschenexperiment: Der Dramakursus 1 des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums führte im Theater Gütersloh „Die Welle“ auf.
Bild: Fiekas

 Unter der Leitung von Britta Lange hat der Dramakursus 1 des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums  Reinhold Tritts Stück „Die Welle“ nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Morton Rhue aufgeführt. Das zeitlose Lehrstück über Manipulation und Massensuggestion basiert auf einer wahren Begebenheit an einer Schule im kalifornischen Palo Alto.

Im Geschichtsunterricht flimmern Schreckensbilder aus dem KZ Auschwitz über die Leinwand. Die Schüler der Gordon High School behandeln den Nationalsozialismus. Die Jugendlichen sind sich sicher: So etwas könnte ihnen nie passieren. Sie halten es für unmöglich, dass heutzutage eine einzelne Person solch eine fatale Massenbewegung auslösen könnte wie Hitler damals.

Lehrer Ben Ross, von Moritz Westphal authentisch und absolut textsicher verkörpert, startet daraufhin ein Experiment: Er möchte die perfekte Manipulation simulieren. Durch Disziplin und Gemeinschaft will er den Zusammenhalt der Klasse stärken: Auf die klaren Regeln folgt absoluter Gehorsam und eine zunehmende Gleichschaltung. Das System funktioniert. Selbst der Außenseiter Robert Billings, grandios von Hendrik Wenzel gespielt, fühlt sich endlich als ein Teil der Klassengemeinschaft.  Und auch die coolen Footballspieler David (Robin Förder), Brian (Felix Rohde) und Brad (Maurice Moch) sind von der „Welle“ begeistert und interessieren sich plötzlich für den Geschichtsunterricht. Nur Laurie (Maresa Buch), die für die Schülerzeitung schreibt, bleibt skeptisch und versucht die willigen Mitläufer wachzurütteln.

Und tatsächlich, die Bewegung entwickelt solch eine Eigendynamik, dass der Lehrer schon bald die Kontrolle verliert. Laurie ist sich sicher: Nur ein Schockmoment kann der „Welle“ ein Ende bereiten. Und so wird den Anhängern, die auf einer Vollversammlung ihren neuen Anführer präsentiert bekommen sollen, ein Video mit Adolf Hitler gezeigt. Es dämmert die bittere Erkenntnis, das sie alle freiwillig ins faschistoide Fahrwasser geraten sind.

Anders als in der erfolgreichen Verfilmung (2008), wo am Ende ein Schüler stirbt, hielt sich der Dramakursus mit seiner fesselnden Inszenierung eng an die Vorlage und kam zum historischen Ausgangspunkt zurück. Die gemachten Erfahrungen hinterließen nicht nur bei den Schülern, sondern auch beim Publikum einen bleibenden Eindruck. Riesenapplaus und gerechtfertigter Jubel.

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