Beethoven  in der Holzversion
Bild: Pieper
Bringen ihrem Publikum die Flötentöne bei: (v.l.) Tobias Reisige, Markus Conrads und Anto Karaula bilden das Trio „Wildes Holz“.
Bild: Pieper

Keine Frage, Tobias Reisige, Markus Conrads und Anto Karaula sind aus ganz besonderem Holz geschnitzt. Seit 1998 sind sie unterwegs, um zu beweisen, dass die Blockflöte viel zu schade ist, um nur ein schnödes Dasein als Instrument kindlichen Musikschulmartyriums zu fristen. Also Ohren auf für ein mitreißendes Crossover aus launig arrangierten Jazz-und Popstandards, raffiniert gewürzt mit Klezmer- und Klassik-Klängen, Funk und Folk.

Die drei Musiker, die sich ausgerechnet in einem ungarischen Hotel erstmals zur Hinterzimmer-Session zusammenfanden, wissen Akustikgitarre, Kontrabass und eben diverse Blockflöten mit viel Spielwitz zum Klingen zu bringen. Ohne Hemmungen reihen sie smarte Eigenkompositionen an Meisterwerke wie Stevie Wonders „Sir Duke“, bringen lässigen Balkan-Sound mit irischen Balladen zusammen. Selbst Lady Gaga lässt grüßen.

Unglaublich, wie Tobias Reisige, Folkwangs erster Jazz-Blockflöten-Solist, auf den Sopran-, Alt-, Tenor- oder Bassvarianten trillert und tremoliert. Da zischt’s und zirpt’s aus allen Löchern. Ein Wunder, dass der Mann am Ende seiner Parforcejagden über Buchsbaum, Grenadill oder Ebenholz überhaupt noch Luft hat. Derweil streicht, zupft und schlägt Markus Conrads, Diplom-Informatiker und Musiker von Beruf, seinen Kontrabass mit einer Leidenschaft, dass die Töne nur so von den Saiten spritzen. Und Anto Karaula beweist sich an der Gitarre mit souveränem, klassischem Spiel – ehe ihn das Jazzfieber packt und er mit rasanten Improvisationen davonprescht.

Spannend, wie die drei sich in subtiler Melodieführung und dem Weben eines dichten Klangteppichs immer wieder abwechseln. Passgenaue Dialoge, mal in melancholischem Moll, mal experimentierfreudig bis hin zur Dissonanz. „Hin“ und „Weg“ heißen zwei Kompositionen. Da sind die Namen Programm. Welch ein virtuoser Spaß, „Beethoven in der Holzversion“ zu erleben, wenn dessen Klaviersonate „Pathetique“ auf der Blockflöte erklingt oder das Trio „Highway to Hell“ von AC/DC rockt.

Natürlich lechzt das Publikum da nach Zugaben. Am Ende sind es nicht wenige, die „Pippi Langstrumpf“ pfeifend das Theater verlassen. Deren Erkennungsmelodie hat das Trio augenzwinkernd als Rausschmeißer gebracht – auf einer Plastikflöte aus dem Kaugummiautomaten. Der Hammer. Und ganz ohne Holz.

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