Begegnung mit Palästina und Israel
Bild: Pieper
Brückenschlag durch Begegnungen: Dafür machen sich die Verantwortlichen und Akteure der Bertelsmann Stiftung  sowie der Anne-Frank-Schule stark. Das Bild zeigt (v.l.) Osnat Betzalet, Leila Ulama, Marita Kappler, Gunar Weykam, Jörg Witteborg, Liz Mohn, Julia Borggräfe, Dar Nadler, Sam Husseini und Stephan Vopel.
Bild: Pieper

 Denn die Teilnehmer des „Jugendfriedensprojekts Israel/Palästina“ der Anne-Frank-Schule sind ohnehin begierig darauf, wieder nach Ramallah zu fahren. Was sie im September tun werden.

 Seit Jahren engagieren sich die Gesamtschule und die Bertelsmann Stiftung in unterschiedlichen Projekten für gute Beziehungen zwischen Deutschen, Israelis und Palästinensern. Grund genug für Liz Mohn und ihren Mitarbeiter Stephan Vopel, Programmleiter „Lebendige Werte“, anlässlich eines Besuchs dreier Teilnehmer des „Young Leaders“-Austauschs (siehe Kasten) gestern mit den interessierten Schülern über die Lage in Nahost zu diskutieren.

„Es ist toll für uns, aus erster Hand Informationen zu bekommen“, sagt Rianna. Und Rachel freut sich jetzt noch mehr auf ihr soziales Jahr in Israel und Palästina.

Reisen dorthin haben die Jugendlichen gelehrt, in welcher Freiheit sie in Europa leben – und wie inhuman die Zustände im Gazastreifen sind, weil der Nahostkonflikt immer wieder eskaliert. Doch was tun gegen die Mauern im Kopf und gegen die, mit der Israel die Palästinenser okkupiert, fragten die Schüler.

Im Rahmen einer Israel- und Palästina-Reise sprach Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende der Bertelsmann Stiftung, im Mai mit dem israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres – „einem langjährigen Freund“ – und dem palästinensischen Premierminister Salam Fayyad über die angespannte Situation im Nahen Osten. Als Ergebnis dieser Gespräche initiierte die Bertelsmann Stiftung unter dem Titel „Young Leaders“ ein gemeinsames Austauschprogramm für palästinensische, israelische und deutsche Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft. Eine erste, achttägige Begegnung mit 18 Teilnehmern fand im Juli 2012 in Gütersloh und Berlin (Besuchsprogramm) statt. Laut Projektleiterin Leila Ulama (Bild) verlief das Treffen „so emotional wie erfolgreich“, war es doch für die Teilnehmer aus dem Nahen Osten die erste persönliche Begegnung mit Menschen der „anderen Seite“. Der Wille zum Dialog und zu weiterer Kooperation war geboren. Deswegen wird es im April weitere Treffen des Zirkels in Jerusalem, Tel Aviv und Ramallah geben.
Es gibt keine Pauschallösung, da sind sich die Gäste aus dem Nahen Osten einig. Sam N. Husseini, palästinensischer Unternehmer, der in Cross-Border-Teams Produktinnovationen gemeinsam mit israelischen Unternehmen vorantreibt, fürchtet die vom Iran bewaffnete, gut organisierte, kriegerische Hamas in seinem Land, der die friedliebendere, aber korrupte Fatah nichts entgegenzusetzen habe. Mit Blick auf die Schüler wünscht er sich ein geeintes Land, in dem seine Kinder in Frieden aufwachsen können – „und so schöne rote Schuhe tragen können, wie du“, schäkert er mit seinem jugendlichen Gegenüber. Er zeigt auf den Sinai, der sich wie ein V, Symbol des Victory-Zeichens, offenbart. „Und an dessen Spitze sitzen wir, die Palästinenser.“

Dar Nadler, führende Aktivistin der überparteilichen Blue-White-Future-Bewegung in Israel, ist zurückhaltender. Sie erzählt von der problematischen Absorption bestimmter Siedler in Grenzregionen, von der Ignoranz der israelischen Gesellschaft, die Not der Palästinenser anzuerkennen, und von der Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung. Das aber sei noch Zukunftsmusik, weshalb die Mauer bleiben müsse. „Sie separiert, aber gibt uns Sicherheit.“

Einig sind sich der Muslim und die Jüdin mit der deutschen Juristin Julia Borggräfe, ehemals Leiterin des Personalbereichs Westeuropa der Daimler AG und jetzt Chefin einer Consulting Firma,  dass Austauschprogramme wie das der Bertelsmann Stiftung oder auch der Anne-Frank-Schule wichtig sind, um Vorurteile und Desinformationen zu überwinden. Und auch, dass die Deutschen als Moderatoren dieses Prozesses auftreten, erscheint ihnen richtig. Denn wer, wenn nicht die Deutschen, hätten aus ihrer Geschichte das Richtige gelernt und könnten das auch vermitteln?

Damit die Anne-Frank-Schüler von solch wegweisenden Begegnungsprozessen profitieren können, versprach Liz Mohn, ihnen einen Kontakt zur Bialik-Rogosin Schule in Tel Aviv zu vermitteln. Eine Vorzeige-Institution, über die schon ein oscarprämierter Film gedreht wurde. Dort werden Kinder aus 48 Nationen, aus Armenvierteln und traumatisierten Flüchtlingsfamilien, unterrichtet. Auch dafür gab’s Applaus.

Wie die Anne-Frank-Schule ihre Jugendfriedensprojekt auf den Weg gebracht hat, lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 20. Dezember 2012.

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