Begegnungen an der Newa
Bild: Pieper
Farbenfrohes Aushängeschild der St. Petersburger Innenstadt: die Kuppeln der Christi-Auferstehungskirche.
Bild: Pieper

„Eine granitene Stadt aus Ruhm und Not“, brachte es der Dichter Puschkin auf den Punkt. In diese Stadt, nach St. Petersburg, führte die jüngste Reise des Gütersloher Forums Russische Kultur. Der Grund war ein guter: Das 20-jährige Bestehen sollte mit den russischen Freunden gefeiert werden. 84 Teilnehmer erlebten ein Programm, das nicht nur goldschimmernde Touristenattraktionen präsentierte, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen ermöglichte.

 Zweifellos sind die Brücken zu Russland und seinen Menschen, die das Forum seit zwei Jahrzehnten (auf)baut zu einem stabilen, weitläufigen Wegenetz geworden, auf dem es sich bestens spazieren lässt. Als versierte Begleiter erwiesen sich Irina Prokharova, ihr Sohn Tim und Natalya Nowikowa sachkundig, vielseitig und gewitzt offenbarten sie Wissenswertes über Stadt und Land, Geschichte und Gegenwart.

Es ist nicht nur der überbordende barocke Prunk der Zarenhöfe, der atemlos macht und westliche Kultur-Ikonen wie Versailles oder Sanssouci zu vergleichsweise ärmlichen Datschen degradiert. Beste Beispiele sind der Katharinenpalast in Zarskoje Selo mit dem legendären Bernsteinzimmer, der strahlende, direkt am finnischen Meerbusen gelegene Peterhof mit seinen genialen Wasserspielen oder der monumentale Winterpalast Katharinas der Großen (Eremitage), der mit seinen Weltklasse-Werken jeden Kunstfreund zur Verzweiflung bringt, weil es Monate dauern würde, um alle sehen zu können. Nein, es ist die Fülle an konträren Impressionen, die gefangen nimmt. Hier die goldblitzenden Zwiebeltürme der Klöster, die die schmutzig-grauen Industrieschornsteine wettmachen. Dort der mächtige, lockende Gesang orthodoxer Liturgie, der mit gleicher Kraft durch weit geöffnete – und viel frequentierte – Kirchentüren dringt, wie Rock und Jazz aus den unzähligen Kellerclubs der quirligen Innenstadt quellen. Pastellfarbene Palais, deren Portale von in Stein gemeißelten Göttern getragen werden, versuchen von Mietskasernen im maroden Klassizismusgewand und schmucklosen Nachkriegs-Plattenbauten (Chruschtschovskas) abzulenken, hinter deren Fassaden Familien sich auf 40 Quadratmetern drängen und mit Nachbarn um die Benutzung von Etagenbad und –küche streiten. Einerseits boomt die Stadt. Auf der mit internationalen Geschäften besetzten Shoppingmeile Newski Prospekt rollt der Rubel. Andererseits betteln nicht nur im Schatten der mächtigen Isaaks-Kathedrale die durchs nicht vorhandene soziale Raster gefallenen Rentner um jede Kopeke.

 Den ausführlichen Bericht über die erlebnisreiche Kulturfahrt und die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des Forums Russische Kultur lesen Sie in einem Sonderbericht in der Donnerstagsausgabe der „Glocke“.

SOCIAL BOOKMARKS