Beim Schirmmacher brummt das Geschäft

Im Kreis Gütersloh sei er jedenfalls der Einzige, der dieses Handwerk noch ausübt. In seinem Haus am Hortensienweg befindet sich auch seine Werkstatt mit Schubladen und Fächern voller Ersatzteile, Stoffen aller Art, Werkzeugen und Spezialmaschinen, die mehr als 50 Jahre auf dem Buckel haben. Wer sich also einen individuellen Regenschirm herstellen lassen möchte, ist bei Dieter Burkhard willkommen. Davon leben kann er allerdings nicht. Die Reparatur von Stock-, Taschen- und Minischirmen bildet seine Haupteinnahmequelle. Einzelhandelsgeschäfte von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen schicken ihm defekte Schirme nach Gütersloh.

Rokoko-Schirm für Mittsommernacht

Vor 20 bis 30 Jahren seien es pro Monat noch 2500 Regenschirme gewesen, jetzt nur noch rund 500, sagt Burkhard. „Es ist jetzt keine Arbeit mehr, es ist Beschäftigung, aber ich bin erstaunt, dass ich diesen Beruf so lange ausüben konnte.“ Die Stammkundschaft bleibt dem Fachmann treu. Meist seien es ältere Menschen, die Qualitätsschirme noch zu schätzen wüssten. „Junge Leute werfen den defekten Regenschutz weg“, weiß Burkhard. Hin und wieder erhält er auch Spezialaufträge. Wie den Rokoko-Schirm mit Spitzen und Rüschen, den eine Schwedin für die Mittsommernacht bestellte – und bekam. Oder den Schirm mit 36 Stangen und einem besonderen Stoff für eine Seiltänzerin, die in einem chinesischen Zirkus auftrat. Übrigens repariert Burkhard auch Sonnenschirme, aber nur regional für Selbstabholer.

„Leichter geht auch leichter kaputt“

Stangen, Schieber, Krone, Spitzen, Platinen, Feder, Stoff und so weiter: Ein Regenschirm besteht aus mehr als 80 Teilen. Am Prinzip hat sich im Lauf der Jahrzehnte nichts geändert. „Die Leute lieben es nur kleiner und leichter“, hat der Schirmmacher registriert. „So etwas geht allerdings auch leichter kaputt.“ Und so sitzt Dieter Burkhard wieder an seiner alten Heftmaschine, und seine Frau Barbara kettelt Stoffbahnen für den Bezug. „Ein Wetter wie jetzt macht sich bemerkbar, dann haben wir das Doppelte.“ Wieder geht die Türglocke, wieder wird ein Paket mit einem Reparaturfall geliefert. Doch bald fahren die Burkhards selbst in Urlaub. Bestimmt mit Schirm, aber ohne Wunsch, ihn zu benutzen.

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