Beim Tanzen überwinden Schüler kulturelle Grenzen
Jede Bewegung muss sitzen: Tanztraining auf der Theaterbühne. 22 Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Nord üben mit Choreograph Andreas Wegwerth für den Auftritt beim Konzert „Die Macht der Liebe“ am 10. Juni im Theater. 

Reezdar steht vor einem zusammengeknüllten pinkfarbenen T-Shirt. Fragend blickt sich der Elfjährige zu seinen Schulkameraden um, die hinter ihm stehen. Der barfüßige Junge bückt sich, schnappt sich das Hemdchen und mit triumphierendem Blick ziehen die Jungs von der Bühne im Theater Gütersloh. Andreas Wegwerth, Tänzer und Choreograph der Peter Gläsel Stiftung, ist zufrieden mit dem Nachwuchs. Auch die Mädchen machen ihre Sache gut.

Prominente Zuschauerin

Bei der Probe am Dienstag ist das besonders wichtig, schließlich sitzt ein prominenter Gast in der ersten Reihe: Liz Mohn sieht sich die Fortschritte an, die die Schüler der Hauptschule Nord in den vergangenen Wochen gemacht haben. Ihre Kultur- und Musikstiftung hat es ermöglicht, dass 22 Mädchen und Jungen der Klassen 5 a und 5 b zusammen mit den Profis des Opernstudios der Staatsoper Berlin auf der Bühne stehen dürfen. Am 10. Juni geben sie das Konzert „Die Macht der Liebe“ im Theater Gütersloh.

Nervosität macht sich bemerkbar

Reezdar, Ari, Maja, Aylin, Jasmin und die anderen haben noch drei Proben vor sich, dann müssen die Bewegungen sitzen. „Stop! Stop! Stooop!“ Hin und wieder muss Wegwerth die temperamentvolle Gruppe laut und deutlich zur Konzentration ermahnen. Zu ungewohnt ist die Situation, auf einer echten Theater-Bühne zu stehen. Zu groß wird bei den Kindern langsam die Nervosität vor dem Auftritt. Schließlich haben sie erst Anfang Mai in der Schule mit dem Tanztraining begonnen. „Dienstags von 10 bis 13 Uhr wird in der Aula gearbeitet“, erzählt Katharina Hardieck, die stellvertretende Schulleiterin. Sie unterstützt zusammen mit dem Musikpädagogen Christoph Hein den Choreographen beim Projekt mit den Kindern.

Nachwuchs mit Selbstbewusstsein

Musik fördert das Verständnis zwischen den Kulturen, lautet das Motto von Liz Mohn, und die begeisterten Kinderaugen bei der Probe im Theater scheinen der Vorsitzenden der Kultur- und Musikstiftung Recht zu geben. Reezdar zum Beispiel hat in den vergangenen Wochen beim Training gelernt, was er mit seinem Körper leisten kann. „Reedzar ist heute eingesprungen, weil der Junge, der die Rolle sonst getanzt hat, krank ist“, sagt der Choreograph. „Reedzar hat sich ganz spontan gemeldet. Das wäre in den ersten Tagen unserer Arbeit nicht möglich gewesen.“ Das Selbstbewusstsein des Jungen ist mächtig gewachsen. Er weiß inzwischen – wie die anderen, die mittanzen – was er kann. „Zu schwierig ist mir nichts“, sagt er lässig. „Wir bräuchten nur ein bisschen mehr Zeit zum Proben.“

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