Benjamin Appl lässt die Sterne funkeln
Bild: Kreyer
Wurde allen Erwartungen gerecht: Der Bariton Benjamin Appl beim Konzert mit der Nordwestdeutschen Philharmonie in der Gütersloher Stadthalle.
Bild: Kreyer

 Begleitet von der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Simon Gaudenz, standen Werke von Gustav Mahler, Felix-Mendelssohn-Bartholdy und Franz Schubert auf dem Programm.

Mehrfach hat Mahler seine erste Sinfonie in D-Dur (1889) umgearbeitet und letztlich ihren ersten Satz „Blumine“ entfernt. Seither erklingt der lyrische Satz mit dem immer wiederkehrenden sehr gefühlvollen Solo für Trompete allein in Konzerten. Ein gelungener Einstieg, der keine Wünsche offen ließ.

Und dann betrat der vielfach preisgekrönte Bariton Benjamin Appl, der Konzerte im Concertgebouw Amsterdam und der Wigmore Hall London gibt, die Bühne. Der gebürtige Regensburger Domspatz, der sich nach einer Banklehre für den Gesang entschied und der der letzte Privatschüler Dietrich Fischer-Dieskaus war, ist ein exzellenter Sänger mit atemberaubendem Erfolg. Vorschusslorbeeren, die er eher pragmatisch sieht, da vieles von außen besser aussehe und der Erwartungsdruck nur mehr steige. In Gütersloh präsentierte sich Appl mit wenigen, eher ernsten Schubert-Liedern in Orchestrierungen von Max Reger, Johannes Brahms und Anton Webern.

Als die bestens aufgestellte Nordwestdeutsche Philharmonie kraftvoll loslegte, verschlug es einem zunächst bei „An Schwager Kronos“ den Atem. Appl nahm das bewundernswert gelassen und ließ „Die Sterne“ wohlklingend funkeln. Er ruhte vollkommen in sich und erwies sich als eindringlicher Gestalter mit weich fließendem, geschmeidig timbriertem Bariton.

 Immer exzellent artikuliert sowie mimisch und gestisch untermalt, rührte Appl wirkungsvoll in „Hafners Gesängen“. Und wie unangestrengt er die Stimmfarben im „Erlkönig“ wechselte, so dass es einem Schauer über den Rücken jagte. Totale Stille danach. Mit suggestiver Kraft war Dirigent Gaudenz der Wandel gelungen: Orchester und Sänger hatten sich gefunden.

Als wohltuender Hörgenuss erwies sich als Zugabe das zarte Liebeslied „Geheimes“. Zum Abschluss steigerte sich das Orchester und offenbarte sich kontrastreich und makellos. Mächtig pathetisch beginnt die erste Sinfonie in c-Moll op. 11 von Mendelssohn. Ein Jugendwerk, das er 1824 zum 19. Geburtstag seiner Schwester Fanny aufführte. Über ein kantables Andante und ein verführerisch schnelles Menuett mündete es in ein stürmisches Finale. Gut gemacht. Das Publikum war begeistert und dankte mit großem Applaus.

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