Benno Fürmann genießt die Lesung
Bild: Daub
Die Wanderausstellung „Neal Preston – In the Eye of the Rock ’n’ Roll Hurricane“ besuchte nach der Lesung am Samstagabend auch Benno Fürmann. Der deutsche Schauspieler („Die Sturmflut“) bewunderte die Porträts von Größen wie Led Zeppelin, Queen, Mick Jagger, Tina Turner oder Frank Zappa (links), die Neal Preston im Lauf von vier Jahrzehnten mit seiner Fotokamera geschaffen hat.
Bild: Daub

Die Zuhörer nutzten in der Pause und am Ende die Gelegenheit, im Foyer die damit verbundene, noch bis zum 27. November angesetzte Bilderschau – rund 70 überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltene Fotografien von Stars der internationalen Musikszene – zu besichtigen. Mit der Ausstellung der Neal-Preston-Bilder hat die Veranstaltungsreihe „Lesestadt Gütersloh einen prominenten Aufhänger für das erhalten, was Bertelsmann bietet. Denn die meisten der abgebildeten Stars sind den Menschen sowohl in Las Vegas (5000 Ausstellungsbesucher in vier Tagen) und in Frankfurt (12000 Besucher in fünf Tagen) als auch in der Dalkestadt bekannt. Viele der Promis stehen bei der Bertelsmann-Tochter BGM unter Vertrag.

 Für Benno Fürmann war, wie er im „Glocke“-Gespräch versicherte, die Herausforderung groß, den „spürbar subjektiven Stil“ von Hunter S. Thompson zu vermitteln. Da war von den Hell Angels die Rede, denn der Journalist aus Kentucky hatte mit der Motorradgang mehrere Monate zusammengelebt und so den heute so bezeichneten investigativen Journalismus betrieben. Was in seinen Texten, die viel vom Drogenmilieu und von sarkastisch skizzierten Treffen mit Polizeiverantwortlichen handeln, zum Ausdruck kommt, lässt bei heutigen Reportern Verwirrung zurück – sowie die Erkenntnis, dass es wohl nur in den 1970er-Jahren möglich gewesen ist, seinen exzentrischen Lebensstil und das Fehlen jeglicher journalistischer Distanz zum Weltgeschehen in Einklang zu bringen.

„Ein Gras Lum“

Thompson erhob wohl den Subjektivismus zu einem ausufernden radikalen Schreibstil, er lehnte Kollegen als „Grützköpfe“ ab und schoss sich 2005 mit 67 Jahren in den Kopf. Benno Fürmann genoss es sichtlich, auch triviale Passagen, die umgangssprachlich für deutsche Ohren gewöhnungsbedürftig erschienen, heiter bis flüssig und vor allem authentisch zu bewältigen. Er freute sich über seinen einzigen Zungendreher, als er „ein Gras Lum“ korrigierte: „ein Glas Rum“. Das Publikum dankte ihm für die Lesung mit höflichem Beifall, und es gab einen dicken Blumenstrauß.

 Hallt der New Journalism bei den Zuhörern tatsächlich nach? Die Fotos der Rock ’n’ Roll-Prominenten wiegen schwerer - unvergesslich bleibt deshalb Neal Preston.

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