Bertelsmann-Chef Rabe im Blickpunkt
Zweifach gefordert ist Dr. Thomas Rabe am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in der Berliner Repräsentanz Unter den Linden 1: Er wird als Vorstandschef die Strategie erläutern und mangels Nachfolger als Finanzvorstand auch einen tieferen Einblick in die Zahlen geben. Bild: Dinkels

Und mit ihm die Strategie, mit der er den Konzern in die Zukunft führen will. Mit Ex-Sony-Manager Dr. Thomas Hesse (45) sollte der Anfang Februar angetretene Vorstand für Unternehmensentwicklung und Neugeschäfte mit auf dem Podium sitzen. Der im April ausscheidende Chef der RTL-Group, Gerhard Zeiler (56), wird zum letzten Mal dabei sein. Und mit Karin Schlautmann (46) als Kommunikationschefin wird ein neues Gesicht die Veranstaltung in der Kommandantur moderieren. Das designierte Vorstandsmitglied Anke Schäferkordt (49, RTL Deutschland) dürfte noch unter den Zuhörern weilen.

Nachdem Bertelsmann schon im Februar die Geschäftszahlen für 2011 genannt hatte, könnte auf den ersten Blick die Luft raus sein aus dem Termin, der auch in der Wirtschaftspresse traditionell ein großes Echo findet. Das trifft zu, wenn man den Blick zurück richtet, was der Vorstandsvorsitzende offenbar nicht will. Das beträfe das Wirken seines Vorgängers Hartmut Ostrowski (54), jetzt Mitglied des Aufsichtsrats.

Rabe dürfte vielmehr nach vorn schauen. Dass er für Bertelsmann als Inhalte-Anbieter große Chancen in der Digitalisierung sieht, hat er schon kundgetan. Der 46-Jährige will die Internationalisierung vorantreiben, gleichzeitig die Zügel in der Konzernführung wieder straffen. Der Musikrechteausbau bei der Tochter BMG liegt ihm am Herzen, auch wenn Bertelsmann voriges Jahr beim Verkauf des Musiklabels Emi an Sony leer ausgegangen ist. Bildung bezeichnet Rabe als einen Wachstumsmarkt – ein Thema, das schon sein Vorgänger besetzen wollte. Bei Arvato hat der neue Chef mit der Ausgliederung von Prinovis und weiterer Druckgeschäfte eingegriffen.

Wichtige Personalentscheidungen hat Rabe getroffen. Mit Hesse holte er einen Strategie-Experten ins Boot. Mit dem Group Management Committee sichert er sich die Expertise von Führungskräften aus verschiedenen Geschäftsfeldern und Märkten. Mit Rolf Schmidt-Holtz (63) und Ex-Gruner-und-Jahr-Chef Bernd Kundrun  (54) holte er frühere Bertelsmänner wieder an Bord von RTL.

Dass Rabe auch schon einem neuen Finanzvorstand präsentieren wird, ist nicht zu erwarten. Die Personalie wäre, wenn sie vom Aufsichtsrat abgesegnet wäre, wohl längst durchgesickert. Außerdem ist es nicht leicht, jemanden des Kalibers zu gewinnen, das sich der Chef vorstellt. Bleibt die Frage, welche spannende Nachricht er womöglich doch noch im Gepäck hat?

Als Bertelsmann im Februar die Zahlen für 2011 veröffentlichte, waren sie noch nicht geprüft. Dem Vernehmen nach soll es keine nennenswerten Korrekturen geben. 2010 lag der Konzernumsatz bei 15,79 Milliarden Euro. Für 2011 gibt Bertelsmann den Umsatz der fortgeführten Aktivitäten mit 15,3 Milliarden Euro an (Vorjahr 15,1 Milliarden). Bereinigt um Ver- und Zukäufe sowie Wechselkurseffekte betrug das organische Wachstum demnach rund zwei Prozent. Das operative Ergebnis (EBIT) sank von 1,8 auf 1,7 Milliarden Euro, die Umsatzrendite von 12,1 auf 11 Prozent.

Gut entwickelten sich die werbegetriebenen Geschäfte und der Absatz von E-Books, schwach in einzelnen Bereichen das Druckgeschäft, das Direktmarketing sowie die Vervielfältigung von CDs und DVDs. Eine Bank ist die RTL Group als größter Umsatz- und Ergebnisbringer: Der Umsatz stieg um gut vier Prozent auf 5,77 Milliarden Euro, der Gewinn um 9 Prozent auf 795 Millionen Euro.

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