Bertelsmann: Thronfolger im Hintergrund
Bild: Dinkels
Sucht das Rampenlicht nicht und tritt nur auf, wo er muss, wie bei der Bertelsmann-Party in Berlin: Christoph Mohn.
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Als wahrscheinlicher Nachfolger gilt ihr Sohn Christoph. Der ist seit 2013 Aufsichtsratsvorsitzender und wird an diesem Montag 50 Jahre alt.

„In den nächsten fünf Jahren werde ich meine Rolle als Familiensprecherin weiter wahrnehmen“, sagte Liz Mohn vor vier Jahren zu ihrem 70. Über die Zeit danach hat sie sich bisher nicht geäußert. Inzwischen wird gelegentlich die Frage aufgeworfen, ob die agile First Lady und Repräsentantin des Konzerns tatsächlich mit 75 aufhört, wie es ihr 2009 verstorbener Mann vorherbestimmt hatte.

Die BVG-Chefin ist omnipräsent und scheint nach wie vor Spaß an ihrer Rolle zu haben. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen der Eigentümerfamilie zu wahren und die Unternehmenskultur zu sichern. Sie steht damit auch für Kontinuität. Die BVG ist das Machtzentrum des Konzerns.

Ihr Sohn Christoph Mohn, der zurückhaltend auftritt und als bescheiden und integer gilt, steht dagegen eher ungern im Rampenlicht. Allerdings zeichnet der nach seiner Schwester Dr. Brigitte Mohn (51) zweitälteste Spross schon heute als Aufsichtsratsvorsitzender für alle wichtigen Entscheidungen mit verantwortlich – etwa wenn in der Sitzung des Gremiums in dieser Woche über die Verlängerung des Vertrags von Arvato-Chef Achim Berg (51) entschieden werden sollte.

Christoph Mohn scheut unpopuläre Entscheidungen nicht, wenn er sie wie die Schließung des Buchclubs und des Direktvertriebsunternehmens Inmedia One für richtig erkannt hat. Das und ein Faible für Zahlen eint ihn mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Thomas Rabe, mit dem er sich gut verstehen soll und der am 6. August ebenfalls 50 Jahre alt wird.

Brigitte Mohn ist zwar auch Mitglied der BVG, hält sich aber nach außen aus Konzernangelegenheiten raus. Als Vorstandsmitglied konzentriert sie sich auf die Arbeit der Bertelsmann Stiftung und kümmert sich als Kuratoriumsvorsitzende um die von ihrer Mutter gegründete Stiftung deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Christoph Mohn betätigt sich als Investor und führt die Reinhard-Mohn-Stiftung. Das schwierigste Kapitel seiner Karriere, der Niedergang des von ihm geführten Internetportals Lycos, endete 2009 mit dem Verkauf eines Restgeschäfts. Der 50-Jährige hat mit seiner Frau Shobhna drei Töchter, die er bereits am Unternehmen beteiligt hat. Eine große Feier zum 50. soll es dem Vernehmen nach nicht geben.

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