Bertelsmann trauert um Udo Jürgens
1968: Udo Jürgens auf einer Betriebsbesichtigung bei Bertelsmann.

Eine große Zeitung nannte ihn einmal den „Hausmusiker“ des Medienkonzerns. „Bertelsmann trauert um Udo Jürgens“, heißt es in einem Nachruf, den der Gütersloher Konzern am Montag verbreitete. Dass er wie kaum ein Zweiter über Jahrzehnte hinweg in und für den deutschsprachigen Raum Musikgeschichte geschrieben habe, stehe außer Frage. Doch Udo Jürgens habe ganz besonders auch bei und für Bertelsmann Musikgeschichte geschrieben.

Verlagsrechte an Klassikern

Fast seine gesamte Karriere haben Ariola und die frühere BMG begleitet. Heute hält BMG die Verlagsrechte an zahlreichen Jürgens-Klassikern. Er war ein enger Freund des Hauses und immer ein gern gesehener Gast, wie zuletzt beim Berliner Festakt zum 175-jährigen Bestehen im Jahr 2010. Aus diesem Anlass hatte er in einem Filmbeitrag nicht mehr und nicht weniger bekannt als: „Ich habe eine unglaubliche Zeit erleben dürfen mit Bertelsmann. Bertelsmann, das ist für mich mein Lebenslauf.“

Zusammenarbeit über viele Jahrzehnte

Erst vor wenigen Monaten hatte die Musikwelt den 80. Geburtstag von Udo Jürgens gefeiert, der am 30. September 1934 im österreichischen Klagenfurt zur Welt gekommen war. Mit Bertelsmann verband ihn eine langjährige und enge Partnerschaft. Als die damalige BMG-Tochter Ariola 2008 auf 40 Jahre der Zusammenarbeit mit ihm zurückblickte, hatte der Künstler selbst in einem persönlichen Grußwort erklärt: „In unserem kurzlebigen Beruf ist eine Zusammenarbeit, die sich über so viele Jahrzehnte erstreckt, etwas völlig Ungewöhnliches. Durch diese lange Partnerschaft habe ich in meinem künstlerischen Schaffen Freiheiten erhalten, die sonst undenkbar sind. Wahrscheinlich habe ich sie richtig genutzt, und deshalb haben vielleicht gerade diese Freiheiten dazu geführt, dass meine späte Karriere zu einem ganz besonderen Erfolg geworden ist.“ Er sei dem Hause Bertelsmann schon in der ganzen Zeit seit den Anfängen des Musikgeschäfts bis zur Entwicklung zum Weltkonzern verbunden gewesen.

Freundschaft mit der Familie Mohn

Die Partnerschaft fand Ausdruck in der Freundschaft, die Jürgens mit der Familie Mohn pflegte, aber auch in unvergesslichen Ereignissen wie einem Konzert, das er 1968 exklusiv in Bielefeld vor 1500 Bertelsmann-Mitarbeitern gab. Vor allem freute man sich bei Bertelsmann aber über die „schier unerschöpfliche künstlerisch-kreative Leistung“ des Musikers: Er veröffentlichte mehr als 1000 Lieder, produzierte mehr als 50 Alben und verkaufte mehr als 100 Millionen Alben. „Für die Ariola gehörte er damit zu den wichtigsten und erfolgreichsten Künstlern überhaupt“, teilte Bertelsmann mit. Kein Wunder, dass auch seine Autobiografie „Der Mann mit dem Fagott“ 2004 im Random-House-Verlag Limes erschien – der zu Bertelsmann gehört.

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