Berufsförderungszentren vor dem Aus
Bild: Dünhölter
Vor dem Aus: Das Berufsförderungszentrum an der Osningstraße muss in absehbarer Zeit schließen.
Bild: Dünhölter

Die Insolvenzverwaltung hat den Mitarbeitern schriftlich mitgeteilt, „dass eine dauerhafte Fortführung der beiden BFZ nicht erfolgen kann, damit seitens der Auftraggeber in die Wege geleitet werden kann, dass die Maßnahmen durch andere Bildungsträger übernommen werden können“. Der Gläubigerausschuss habe aber zugestimmt, dass der Geschäftsbetrieb noch nicht unmittelbar zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Mai eingestellt werden müsse.

Betroffen sind in Gütersloh etwa 120 Mitarbeiter und fast 100 Honorarkräfte, in Paderborn sind es mehr als 50 Beschäftigte. Nicht betroffen ist offenbar das Berufliche Trainingszentrum (BTZ) in Gütersloh an der Münsterstraße, das ebenfalls zur insolventen Gesellschaft gehört und gut 25 Mitarbeiter hat.

Geschäftsführer Mark Keuthen hatte Ende Februar den Insolvenzantrag gestellt. Zuvor hatte er alle Beschäftigten aufgefordert, sich einem für jüngere Kollegen geltenden Haustarif anzuschließen. Mit den gegenwärtigen Personalkosten könne die Gesellschaft im Wettbewerb mit anderen Trägern nicht bestehen, hieß es. Als nur etwa ein halbes Dutzend Mitarbeiter zustimmte, folgte der Insolvenzantrag.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Oliver Ehrhardt aus der Paderborner Kanzlei Bitter/Ehrhardt war am Dienstag nicht zu erreichen. Der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Kell wollte sich auf Nachfrage noch nicht äußern. In einem Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, nun sei es amtlich: „Das Ende ist nicht abzuwenden.“ Das sei es von Anfang an nicht gewesen und es habe „im Grunde niemals eine Chance bestand(en), ein anderes Ergebnis herbeizuführen“. Verzichtserklärungen seien nur Makulatur gewesen, um den Mitarbeitern am Ende den schwarzen Peter zuschieben zu können. Die beiden nicht profitablen Bereiche der Firma würden liquidiert, auf diese Weise werde man die „teuren Alt-Mitarbeiter“ los. Kell: „Es ist überaus bedauerlich, dass unsere jahrelange hervorragende Arbeit in einem sehr schwierigen Bereich der Bildungslandschaft außer von der Insolvenzverwaltung nicht im Geringsten gewürdigt wird.“

Die Beschäftigten in Gütersloh sind schockiert. Die Geschäftsführung und auch der Chef des Kolping-Bildungswerks als Muttergesellschaft seien zu keinem Zeitpunkt gesprächsbereit gewesen, heißt es in einer vor Ostern verfassten Stellungnahme. Konkrete Anzeichen für eine Insolvenz habe es nicht gegeben. Das Verhalten der Geschäftsführer sei „skandalös“. Sie gingen davon aus, so die Unterzeichner, dass der letzte Geschäftsführer „ausdrücklich zu dem Zweck eingestellt wurde, die Insolvenz herbeizuführen“.

Kündigungen hat es bisher nach Informationen aus der Belegschaft nicht gegeben. Die Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld. Ebenso wenig soll es ein Übernahmeangebot von anderen Träger der beruflichen Bildung gegeben haben. Die BFZ arbeiten im Auftrag von Kommunen, Job-Centern und Arbeitsverwaltungen. Zurzeit werden in Gütersloh rund 250 junge Menschen betreut.

SOCIAL BOOKMARKS