Besucher entern den Führerstand
Bild: Steinecke
Zum ersten Mal duften Besucher am Postdamm auch auf dem Führerstand mitfahren.
Bild: Steinecke

 Nicht nur aus der Umgebung, sondern aus ganz Deutschland hatten sich die Eisenbahnfreunde eingefunden. Bereits am Samstag bildeten sich im Nu lange Parkschlangen am Postdamm. Einige Fußarbeit war also angesagt. Doch der Weg zum Ziel wurde von Vorfreude versüßt. Schon aus der Ferne lockten die Rauchwolken und das Pfeifen der Bahn. Endlich am Ziel, tauchten die Besucher in die wunderbare Welt der Eisenbahn ein. Wer braucht da schon die 1435 Millimeter Spurweite, auf der die Deutsche Bahn durch die Gegend fährt. Da wurde nach Herzenslust gefachsimpelt und beratschlagt, ob das begutachtete Bauteil denn nun tatsächlich auch ein Flachschieber sei. „Alles wie bei einer großen Bahn“, sagte ein Besucher anerkennend.

Pressesprecher Florian Rauh schätzt, dass es sechs Vereine in Deutschland gibt, die auf dem klassischen Feldbahnmaß unterwegs sind. Mit zwei Gastloks ergänzten die Gütersloher Hobby-Eisenbahner zur Feier des Tages ihr Sortiment. Da waren die Lok Diane aus dem Jahr 1912 von der Waldeisenbahn Muskau und die Merapi Baujahr 1925. Die Leihgabe der Berliner Parkeisenbahn stand früher im Dienst einer indonesischen Zuckerrohrbahn. Zudem halfen viele Gast-Lokführer aus, um dem Besucheransturm Herr zu werden. „Ohne solche Unterstützung der befreundeten Vereine wäre das gar nicht zu machen“, sagte Jochen Wiegelmann von dem dreiköpfigen Vorstandsteam.

Als der Verein vor 40 Jahren begann, hatte er nur eine einzige Lok. Inzwischen verfügt er über zehn Dampf- und neun Dieselloks, von denen wiederum einige an andere Vereine verliehen sind. Trotzdem präsentierte sich der Verein in einer großartigen Vielfalt. Besonders die Rundfahrten wurden gern angenommen. Als Höhepunkt standen zum ersten Mal Mitfahrten im Führerstand auf dem Programm. Einmal sich fühlen wie Lukas der Lokomotivführer – unbezahlbar. Zum Glück verlief die Feier bei gemäßigten Temperaturen. Allein der heiße Kessel sorgt schon für ein Sauna-Feeling.

„Wenn es dann draußen auch noch warm ist, dann braucht der Lokführer mehr Wasser als die Lok“, erklärte Florian Rauh scherzend, ließ seine „schwarze Bertha“ zweimal laut pfeifen und läutete so die nächste Runde ein.

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