Brahms-Perlen für das verwöhnte Publikum
Bild: Heumüller
Pianist Peter Kreutz (links) und Bariton Christopher Jung interpretierten die Deutschen Volkslieder von Brahms virtuos.
Bild: Heumüller

Dank Professor Peter Kreutz, der im Jahr 2000 die Konzertreihe „Forum Lied“ ins Leben rief. Längst genießt das Unternehmen, dem anfangs nur eine geringe Halbwertzeit prognostiziert wurde, einen hervorragenden Ruf weit über die Region hinaus.

Für das noch junge „Festival zwischen den Jahren“ gilt das jetzt schon in gleicher Weise. Kreutz hat damit seinem Forum Lied die Krone aufgesetzt. Von Beginn an hat er sie mit glänzenden Perlen und funkelnden Brillanten veredelt. Einer davon heißt Christopher Jung. Auf der Studiobühne des Gütersloher Theaters zelebrierte der Bariton jüngst ein von Peter Kreutz am Flügel begleitetes Brahms-Liederprogramm, das manch ähnliches Unternehmen ziemlich rustikal aussehen lässt.

Erst in seinen letzten Lebensjahren veröffentlichte Johannes Brahms seine „Deutschen Volkslieder“ für Singstimme und Klavier, um einen künstlerisch wertvollen, zeitlos gültigen Liedkanon zu schaffen, den er auch als Programm gegen die Inflation des Mittelmäßigen gedacht hatte. 33 Lieder aus der Sammlung waren am Wochenende zu hören, fast punktsymmetrisch in zwei Blöcke zu je zwei Gruppen aufgeteilt.

Interpreten als Vollender

Im Zentrum des ersten und dritten Teils standen demgegenüber die Einzelstücke „Gunhilde“ über die auf Abwege geratene Nonne und „Es reitet ein Herr und auch sein (mordender) Knecht“, zwei an Moritaten erinnernde Balladen, deren innere Dramaturgie sich textlich wie musikalisch immer mehr verdichtet.

 Jung gefiel vor allem durch seine helle, für einen Bariton außergewöhnlich schlanke Stimme von jugendlicher Frische, der es dennoch nicht an Volumen mangelt. Im Vordergrund stand der Gesang, weniger die naturalistische Verkörperung der Charaktere. Wenn die Volksmusik für Brahms nicht nur Quelle der Inspiration war, sondern so etwas wie greifbares Material, einem Steinbruch für einen Bildhauer ähnlich, so erwiesen sich die beiden Interpreten als dessen Vollender.

Da konnte der wenig angemessene, weil zu dünne Applaus – nach der Sonntagsmatinee jedenfalls – schon Irritationen auslösen. Musikverwöhnt ist das Gütersloher Publikum . . .

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