Breakdance mit göttlichem Funken
Starke Truppe: Choreograph und Weltklasse-Breakdancer Khaled Chaabi (Zweiter von links) mit den „B-Town Allstars“ in „Beethoven! Next Level“.

Schließlich war der Mann ein Musik-Revoluzzer. Genau das hat sich Christoph Hagel, Dirigent, Pianist und Regisseur für ambitionierte Cross-over-Projekte, wohl auch gedacht, als er seine Urban-Dance-Show „Beethoven! The Next Level“ zusammen mit den beiden Tänzern und Choreographen Khaled Chaabi und Yui Kawaguchi sowie der Berliner Hip-Hop-Truppe „B-Town Allstars“ 2016 auf die wild wirbelnden Beine stellte. Seitdem sind sie gemeinsam auf Tournee und werden überall begeistert gefeiert. So auch am Mittwochabend im Theater Gütersloh, wo die Show im Rahmen der hochkarätig besetzten Star-Reihe „Vier Jahreszeiten“ zu sehen gewesen ist.

„Sie dürfen gern klatschen, tanzen und toben“, lockte Hagel das Publikum, ehe er die „Appassionata“ auf dem Klavier anstimmte, jenen Klang gewordenen Schmerzenswutschrei Beethovens, der die Biographie dieses Zerrissenen so subtil widerspiegelt.

Der Deutsch-Syrer Chaabi tanzte den Titan mit atemberaubender Körperbeherrschung und ebensolchen Headspins. Sein Beethoven kämpfte mächtig – um Anerkennung, Erfolg, Macht und vor allem mit sich selbst. Rasant wurden die Entwicklung en des vom Vater malträtierten Wunderkindes, des hofierten Genies, des taub werdenden Komponisten und seine Suche nach der unsterblichen Geliebten gestreift. Blitzlichtartig, im aggressiven Stroboskopstakkato und vor meist abstrakten Videoprojektionen offenbarte sich seine kurze Liaisnon mit den Idealen der Französischen Revolution und seine widersprüchliche Beziehung zum Neffen Karl. Wer sich in Beethovens Biographie nicht auskannte, verlor sich in diesem Gewirr aus Handlungsfragmenten.

Beeindruckend dagegen, wie Chaabi die powervolle Streetartistik seiner durchweg exzellenten Tanztruppe zu einer kraftstrotzenden, sprunggewaltigen, mitunter gar athletischen Kunstdisziplin erhob. Wie lässig er Jazz und – dank der im Popping elegant auftrumpfenden brasilianischen Brüder Ribeiro –  auch Capoeira einfließen ließ. Wie er Breakdance mit klassischer Ballett-Attitüde zu verweben wusste - zauberhaft getanzt von der japanische Ballerina Yui Kawaguchi.

Alles in allem ein wuchtiger Urban Dance, umschmeichelt vom zarten Adagio der „Mondscheinsonate“, befeuert von Fetzen der „Schicksalssinfonie“ und unterlegt von einem radikal verrappten Götterfunken-Chor der neunten Sinfonie. Eben Beethoven – next level.

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