Brücke hat gegen Bagger keine Chance
Bild: Dünhölter
Zwischenakt: Bevor es dem Beton an den Kragen ging, entfernten die Bagger die Gitter der Fußgänger- und Radfahrerbrücke.
Bild: Dünhölter

Bereits am Sonntag gegen 14 Uhr (geplant war Montag, 4 Uhr) konnte der Verkehr wieder rollen. Der Abriss des mehr als 115 Tonnen schweren, 24 Meter langen „abgängigen“ (Formulierung des städtischen Fachbereichs) Bauwerks bedeutete für Hagedorn nichts Besonderes. Mit einer Mischung aus Routine, Konzentration und Gelassenheit machten die Profis aus der betonierten Verlängerung des Dalkewegs in Richtung Innenstadt in kürzester Zeit einen großen Haufen Schutt. Von der prägenden Fuß- und Radfahrerbrücke sind nur noch die Auffahrten nebst der Pfeiler übrig geblieben. Erstmalig in der Stadtgeschichte musste die B 61 voll gesperrt werden. Zwischen Samstag, 19 Uhr, und der überraschend schnellen Freigabe am Sonntag gehörte der Bereich zwischen Herzebrocker- und Diekstraße nur den zehn bis zwölf Hagedorn-Mitarbeitern, fünf Abräumfahrzeugen, drei Abbruchbaggern auf Ketten (zwei 30-Tonner und ein 20-Tonner) und einigen Radladern.

Der von einigen erwartete „laute Knall“ oder das vom Lokalradio am Freitag gar angekündigte „kleine Erdbeben“ blieben dagegen aus. Unmittelbar nach Beginn der Sperrung um 20 Uhr verteilten Radlager zunächst 300 Tonnen schallschluckenden, schützenden Kies auf der Fahrbahn. Die Fahrwege der Bagger wurden zudem mit dicken Spanplatten abgedeckt. Während die Vorbereitungsarbeiten liefen, erklärte Hagedorn-Mitarbeiter Ingo Schäfer den Grund der durchweg entspannten Gesichter um ihn herum: „Wir haben die Zeichnungen. Das wird kein Abenteuer. Dazu ist die Brücke auch viel zu jung.“ Bei Vorkriegsbrücken könne es „gelegentlich Überraschungen geben. Heute nicht.“ Um 21 Uhr wurde es ernst. Zuerst rissen mächtige Stahlzähne die Brückengeländer wie Unkraut heraus.

Der von den wenigen Augenzeugen links und rechts der Absperrungen mit großer Spannung erwartete Fall der Brücke geriet dagegen unspektakulär. Fast wie ein Zahnarzt an einem lockeren Milchzahn stochert, prokelte Baggerfahrer Torsten Necker mit dem Pulverisierer an der Spitze des 100 Tonnen schweren Gefährts gut zehn Minuten ein bisschen im Beton. Punkt 21.29 Uhr fiel das gelockerte Verbindungsteil in einem Stück geräuschlos in das ein Meter dicke Kiesbett.

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