Bücherschrank rund um die Uhr geöffnet
Bild: Scheffler
Einladung zum Geben und Nehmen: Immanuel Hermreck (links), Personalvorstand bei Bertelsmann, und Bürgermeister Henning Schulz öffneten den Offenen Bücherschrank offiziell.
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Der erste – Standort Strengerstraße gegenüber dem Café Fritzenkötter – wurde am Freitagmittag offiziell seiner Bestimmung übergeben. Immanuel Hermreck, der Personalvorstandsvorsitzende von Bertelsmann, hatte zur Eröffnung die Weihnachtsgeschichten von Charles Dickens mitgebracht. Bürgermeister Henning Schulz (CDU) steuerte das Sachbuch „Kunst am Bau“ bei. Und Joachim Martensmeier, Dezernent der städtischen Bereiche Bildung, Jugend, Familie und Soziales, stellte Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf in den Bücherschrank.

Aus dem etwa eine Tonne schweren Spezialmöbel mit zehn Millimeter dickem Stahl können sich Interessenten rund um die Uhr Bücher aller Art ausleihen oder auch behalten, wenn sie dafür ein anderes Werk – egal ob gebraucht oder neu – hineinstellen. Das funktioniert formlos, unkompliziert und ohne Schlüssel. „Wir haben festgestellt, dass Menschen, die geben, genauso froh sind wie jene, die nehmen“, sagte Hans-Jürgen Greve aus Köln. Der Architekt und Stadtplaner arbeitet für die Firma Bokx, den Hersteller der Spezial-Bücherschränke. „Vor acht Jahren sind wir damit deutschlandweit angefangen. Jetzt haben wir den 250. Schrank aufgestellt“, so Greve.

Für die Erstausstattung hätten Bertelsmann-Mitarbeiter „nicht nur alte Schinken“ gespendet, wie Hermreck sagte. „Wir wollen mit den Offenen Bücherschränken dauerhaft die Motivation fürs Lesen fördern“, dankte er der Stadt Gütersloh für das Zustandekommen des „Experiments“. „Lesen ist die Basis“, betonte Bürgermeister Henning Schulz sichtlich froh gelaunt und dankte den Spendern. „Möglicherweise sagen jetzt einige Bürger: ,Mein Gott, jetzt will er schon wieder etwas dahinstellen‘“, merkte Schulz mit einem Augenzwinkern an. „Aber es kommt auf den Inhalt an.“

Um den und die Instandhaltung der Schränke kümmern sich Rachel Hasler, Marie-Kathrin Eggert und Corinna Strothenke. Die drei Schülerinnen vom Evangelisch Stiftischen Gymnasium aus der Jahrgangsstufe 11 absolvieren die Zusatzausbildung International Baccalaureate (IB), in deren Rahmen sie sich sozial engagieren. Auf eine Anfrage von Bertelsmann hin meldeten sie sich als ehrenamtliche Patinnen.

Kochbücher heiß begehrt

Der Blickfang gegenüber dem Café Fritzenkötter an der Strengerstraße ist der erste von vier Offenen Bücherschränken auf dem Stadtgebiet von Gütersloh. Weitere sollen in Blankenhagen, Isselhorst und Avenwedde-Bahnhof aufgestellt werden. „Die genauen Standorte sind noch nicht klar“, sagte Dezernent Joachim Martensmeier. „Es wird aber jeweils eine zentrale Position sein.“ Im Lauf des nächsten Jahres sollen die von Bertelsmann gespendeten Möbelstücke, die dann in den Besitz der Stadt übergehen, positioniert und geöffnet werden. Der erste in der Innenstadt erlebte übrigens schon beim Bestücken mit Büchern gegen 10 Uhr einen Ansturm. Vor allem Kochbücher seien heiß begehrt gewesen, berichteten Mitarbeiter.

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