Bürgerbühne beeindruckt mit Uraufführung 
Bild: Pieper
Mit viel Applaus ist am Samstag die Uraufführung des Stücks“ Über Väter“ der Bürgerbühne im Theater Gütersloh gefeiert worden.
Bild: Pieper

 Wie man das in gut einer Stunde als atmosphärisch immer dichter werdendes Kabinettstück inszeniert, das war am Wochenende bei der Uraufführung der Parabel „Über Väter“ im Theater Gütersloh zu erleben. Mit begeistertem Applaus wurden die stringente Regie von Isabel Stahl und die spielfreudigen, selbstbewusst agierenden Laiendarsteller der Bürgerbühne gefeiert. Zu Recht, denn wie sich diese Truppe durch ein intelligent gewobenes Gespinst aus Vertrautem und Vertuschtem kämpft, ist sehenswert.

Weitere Aufführung des Stücks „Über Väter“ sind am 1. und 8. März, jeweils ab 19.30 Uhr auf der Studiobühne des Theaters Gütersloh zu sehen. Karten gibt es in den „Glocke“-Geschäftsstellen und bei Gütersloh Marketing.
Wie berichtet, hatte Bühnengründer Christian Brouzeng-Lacoustille zusammen mit den heimischen Autoren Rolf Birkholz und Wolfgang Hein die auf einer Mischung aus eigenen Erfahrungen, Fiktion und Fakten basierende Vorlage geschaffen. Vom Bruderzwist bis zum Verrat ist alles dabei. Ibsens „Gespenster“ lassen grüßen - einschließlich des geistlichen Beistands, den Volker Schiewer mit weihevoll-blasierter Attitüde gibt.

„Wer kann schon Segeln ohne Wind?“

Kai Braddick, Thomas Rotermund, Holger Garbs und Dr. Jan Böcken spielen die vier Brüder, die dem Vater zum 75. Geburtstag eine Feier spendieren. Braddick ist der tets auf seinen Ruf bedachte Sohn, der trotz aller Dienstbeflissenheit nie die ersehnte Anerkennung vom Vater erfährt – und das unreflektiert an den eigenen Nachwuchs weitergibt.

 Thomas Rotermund spielt mit aufbrausendem Temperament das schwarze Schaf der Familie. Er entzieht sich durch Flucht der Rolle des Versagers.

 Holger Garbs mimt eindringlich den Überforderten – sowohl als Sohn als auch als Vater eines quengelnden Babys und des quirligen Jonas. Der wird gekonnt mit pubertärer Sprunghaftigkeit von Jona Rosenstock dargestellt.

Jan Böcken glänzt in der Rolle des Karrieristen beim Verfassungsschutz, der mit perfidem Druck seine Machtgelüste nicht nur gegenüber seinem Neffen Finn auslebt.

 Maximilian Otto ist dieser „Son of Anarchy“, der sich im schwarzen Block beim G 20-Gipfel in Hamburg ein blaues Auge holt – aber eine weiße Weste behält, weil er seine Kumpel nicht verrät.

Und das Geburtstagskind? Das spielt Rolf Eustergerling auf ganz besondere Art und Weise. Anfangs ganz der eitle Übervater, wird er stückweise von seiner Vergangenheit eingeholt und demontiert. Er weiß um seine Verfehlungen und kann doch nicht aus seiner Haut heraus. „Wer kann schon Segeln ohne Wind?“, buhlt er um Verständnis . Mit Tränen in den Augen steht er am Ende vor den Scherben seines Lebens und zwingt das Publikum zur atemlosen Stille. Beeindruckend.

  Eine Geschichte, die auf Gütersloher Fakten beruht

 Für die Figur des Erich sind die Autoren im Stadtarchiv fündig geworden. Was genau das Stück mit dem Gütersloher Heinz Brockmann, Mitglied der Bewegung 2. Juni zu tun hat, lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 26. Februar.

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