Campina-Mitarbeiter sammeln Unterschriften
Bild: Steinecke
Unterstützer: Michael Buschsieweke, Leiter des Wertkreises, mit Campina-Mitarbeiterin Sylvia Kalefeld und seiner Frau Heike Buschsieweke.
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Trotz des widrigen Wetters machten viele Passanten am Stand der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in der Fußgängerzone nur wenige Meter vom Weihnachtsmarkt, Halt und bekundeten mit ihrer Unterschrift Solidarität zu den rund 230 Campina-Mitarbeitern. „Ich wünsche Ihnen viel Glück. Es ist wichtig, dass die Jobs in Gütersloh erhalten bleiben. Es kann nicht sein, dass die das Werk hier zumachen“, sagte Bastian Hornberg, der mit seiner Frau Kristine unterschrieb. Das Paar hatte von der Aktion in der Zeitung gelesen und ihren Besuch in der Stadt genutzt, um die von der Kündigung bedrohten Campina-Mitarbeiter zu unterstützen.

Seit 41 Jahren Mitarbeiter der Molkerei

Reinhard Gargosch ist einer von ihnen. Seit 41 Jahren arbeitet er an der Hans-Böckler-Straße in der Produktion. „Wir wollen unsere Molkerei behalten“, hatte er auf ein Plakat geschrieben. „Wo soll ich denn noch hin? Mit 57 Jahren nimmt mich doch niemand mehr“, sagte er. Die Resignation in seiner Stimme war nicht zu überhören. Gargosch erinnerte an die unkomplizierte Zeit, als der Betrieb noch der Familie Strothmann gehörte.

Bürgermeister unterzeichnet die Liste

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte Frank Bollkämper (Bild), Betriebsratsvorsitzender und Sprecher des Wirtschaftsausschusses Campina Deutschland. Am Samstag kamen insgesamt 2500 Unterschriften zusammen. Auch Bürgermeister Henning Schulz und seine Vorgängerin im Amt, Maria Unger, unterzeichneten auf den Listen. Als Ziel hat Frank Bollkämper sich 30 000 Unterschriften gesteckt.

Alternative zur Schließung gefordert

Vorbild für die Aktion ist das ehemalige Campina-Werk in Elsterwerda. Das sollte 2009 geschlossen werden. Auch dort wehrten sich die Mitarbeiter und überreichten rund 25 000 Unterschriften an das niederländische Königshaus. Die Folge: Der brandenburgische Standort wurde an eine andere Molkerei verkauft und produziert weiter. Die in Gütersloh gesammelten Unterschriften sollen später ebenfalls an den niederländischen König geschickt werden.

Weihnachts-Marsch am 16. Dezember

Der Unterschriftenaktion sollen weitere folgen. Am Samstag, 16. Dezember, 15 Uhr, wollen die Beschäftigen ihre Weihnachtsfeier nutzen. In kleinen Gruppen wollen sie vom Gasthaus Roggenkamp zum Campina-Werk an der Hans-Böckler-Straße wandern. Dort soll vor der Verwaltung für die Geschäftsführung ein Tannenbaum mit Wünschen der Mitarbeiter aufgestellt werden. Bollkämper schätzt, dass 250 Personen an dem Marsch teilnehmen.

Unternehmen wenig erbaut über öffentliche Aktionen

Die Arbeitgeberseite ist nicht erbaut darüber, dass die Mitarbeiter die Öffentlichkeit suchen. Noch am Freitagabend hatte der Betriebsratsvorsitzende Frank Bollkämper einen Brief von einem Campina-Anwalt erhalten, indem kritisiert wird, dass die Sorgen der Mitarbeiter nach außen getragen werden. „Campina möchte einen Kuschelkurs fahren. Aber die müssen doch damit rechnen, dass wir unser Recht wahrnehmen und kämpfen“, sagte Gaby Böhm, Geschäftsführerin Ostwestfalen der NGG. Bollkämper ergänzte: „Wir wollen eine Alternative zur geplanten Schließung.“

Passanten sprechen Mut zu

Ihre Unterschriften leisteten am Samstag auch viele Ehemalige. Reinhard Gargosch freute sich über die Unterstützung. „Die Menschen wissen von unserem Problem. Viele musste ich gar nicht erst ansprechen“, sagte er. Viele Passanten sprachen den Betroffenen Mut zu: „Wir hoffen, dass Sie Erfolg haben.“ Frank Bollkämper freute sich auch über den Einsatz der Kollegen. „Die Belegschaft steht hinter dem Betriebsrat. Das tut gut.“

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