Charles Brauer liest im Parkbad Kästner
Der Mann für alle Fälle: Charles Brauer, vielbeschäftigter Bühnen- und Fernsehschauspieler, liest am Sonntag, 20. März, im Gütersloher Parkbad Texte von Erich Kästner.

 Das möchte Charles Brauer ändern, wenn er am Sonntag, 20. März, ab 17 Uhr im Rahmen der „Experience Lounge“ im Gütersloher Parkbad unter dem Motto „Der tägliche Kram“ über Erich Kästner erzählt und ausgewählte Texte von ihm rezitiert. „Die Glocke“ sprach vorab mit dem Bühnen- und Filmschauspieler, den man als TV-Seriendarsteller aus „Unser Lehrer Doktor Specht“ kennt und der als singender Tatort-Kommissar an der Seite von Manfred Krug einst für Einschaltrekorde sorgte.

„Die Glocke“:  Herr Brauer, warum lesen Sie gerade Kästner?

 Brauer:  Ich bin noch immer unterwegs mit verschiedenen literarischen Programmen. Aber weil ich gerade 80 geworden bin, mache ich nur noch das, wozu ich wirklich Lust habe. Dazu gehören regelmäßige Auftritte im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg und dazu gehört auch Kästner.

„Die Glocke“:  Auf was darf sich das Publikum freuen?

Brauer:  Ich werde viel Biographisches von ihm erzählen und passend dazu seine Gedichte und Prosa stellen – Bekanntes und Unbekanntes. Ich werde erzählen, dass er Halbjude war, dass er in der Weimarer Republik zu den intellektuellen Berliner Figuren gehörte. Dass er mehrfach von der Gestapo verhaftet und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde. Unter Pseudonym arbeitete er trotzdem weiter. So lieferte er 1942 als Berthold Bürger das Drehbuch zu „Münchhausen“, einem der prestigeträchtigsten Filme der damals nazigesteuerten Ufa. Kästner hat mich immer schon fasziniert.

„Die Glocke“: Sie haben ihn persönlich kennengelernt?

Karten

Tickets für die Lesung mit Charles Brauer im Gütersloher Parkbad am Sonntag, 20. März, ab 17 Uhr, gibt es im Vorverkauf in den „Glocke“-Geschäftsstellen, bei Gütersloh Marketing, Tel. 05241/2113636, und unter www.ad-ticket.de.

Es ist zudem eine Tageskasse eingerichtet.

Brauer: Ja, ich habe 1950 im Berliner Hebbel-Theater den Gustav mit der Hupe aus „Emil und die Detektive“ gespielt. Da war ich 15. Kästner kam zu einer Aufführung, hat uns zu Kakao und Kuchen eingeladen und mir auf seiner Eintrittskarte ein Autogramm gegeben. Sie liegt noch immer in meinem Poesiealbum, wo ich etliche Erinnerungen an Schauspieler aufbewahre, mit denen ich gespielt habe.

„Die Glocke“: Wollten Sie immer schon Schauspieler werden?

Brauer: 1946 bin ich als zehnjähriger Knirps, damals noch mit dem schönen Namen Knetschke, in der Straßenbahn vom Filmregisseur Gerhard Lamprecht für die Defa-Produktion „Irgendwo in Berlin“ angesprochen worden. Ich bekam einen Zweijahresvertrag, habe aber auch noch im Theater am Schiffbauerdamm gespielt, bis Brecht es übernahm. Mit 15 Jahren dämmerte es mir dann, dass Schauspielerei tatsächlich ein Beruf für mich sein könnte.

„Die Glocke“:  Wie hat sich das mit der Schule vertragen?

Brauer:  Ich war ein guter Schüler, wurde immer freigestellt. Aber nach der zehnten Klasse habe ich Schluss gemacht. Ich bin auf die Max-Reinhardt-Schauspielschule in Berlin gewechselt und 1954 nach Hamburg gegangen. Dort habe ich überall vorgesprochen und eine erste Verpflichtung am Jungen Theater, dem heutigen Ernst-Deutsch-Theater, erhalten. Zwei Jahre später hat mich Gustaf Gründgens ans Schauspielhaus verpflichtet. In Hamburg blieb ich dann 20 Jahre. Das kann man doch eine gescheiterte Schulexistenz mit Riesenerfolg nennen, oder? (lacht)

 „Die Glocke“: Haben Sie Ihre Entscheidung je bedauert?

Brauer:  Nein, ich habe mit allen großen Regisseuren arbeiten können, mit Kortner, Schuh, Peymann, Tabori, Dorn und Langhoff. Ich habe auf den großen deutschen Bühnen gestanden und war zudem viel im Fernsehen präsent. Wer es in diesem Metier nicht schafft, bis 50 fest im Blick der Regisseure zu bleiben, der geht unter. Das ist mir nicht passiert. Ich habe viel Glück gehabt.

„Die Glocke“: Vielen sind Sie vor allem als Tatort-Kommissar an der Seite von Manfred Krug in Erinnerung.

 Brauer: Das war eine tolle Zeit. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt, die bis heute hält. Ich kannte ihn noch aus seinen DDR-Zeiten, wusste, welch große Nummer er dort gewesen ist, und war mir anfangs nicht sicher, ob es gut ist, an seiner Seite als TV-Partner zu agieren. Aber es lief bestens. Und unsere gemeinsame Liebe zum Jazz hat ihr Übriges dazu getan, dass wir 16 Jahre gemeinsam vor der Kamera standen.

„Die Glocke“:  Was schätzen Sie besonders an Manfred Krug?

 Brauer:  Ich habe ihn immer dafür bewundert, wie er seinen dicken Finger auf eine wunde Stelle im Drehbuch legen konnte. Selbst wenn es ursprünglich gar kein „Wow!“ zu bieten hatte, haben wir etwas daraus gemacht.

Das komplette Interview, in dem Charles Brauer auch etwas über seine neuen Projekte verrät lesen Sie in der „Glocke“ vom 12./13. März.

SOCIAL BOOKMARKS