Chiffren und Zeichen 
Bild: Pieper
Kurator Reiner Kuhn mit Arbeiten von Christan Hage (links) und einer Skulptur von Johannes Zoller im Kreiskunstverein Gütersloh.
Bild: Pieper

 Lieferten sich in den vergangenen Wochen im Rahmen der jüdischen Kulturtage israelische und heimische Künstler dort einen spannenden Dialog, so sind die jüdischen Künstler nun mit ihren Arbeiten nach Krefeld weitergezogen – und haben Platz gemacht für mehr Arbeiten ihrer Kollegen aus der Region.

Vier unterschiedliche Künstler bestücken diese komplett neue Ausstellung, deren Titel „Chiffre und Zeichen“ die inhaltliche Klammer vorgibt. Denn alle vier Maler, Zeichner und Bildhauer gestalten nicht nur Bildwelten oder Objekte. Sie schaffen Ideelles, das dem aufgeschlossenen Betrachter hilft, Antworten auf existenzielle Fragen zu finden.

 Da ist zunächst der seit 1999 in Bielefeld ansässige afghanische Kalligraph, Maler und Zeichner Aatifi. Ausgebildet in Kabul und Dresden, ist der mehrfach ausgezeichnete Afghane mit und in der muslimischen Kultur aufgewachsen, die keine Abbilder kennt. Abstraktion ist dort eine Selbstverständlichkeit. Vor diesem Hintergrund strahlen seine kalligraphisch geprägten Bilder mit ihrem weit ausholendem Pinselschwung eine autonome, eigenwillige Ästhetik aus. Diese Art von Typographie geht weit über jede Sprachvermittlung hinaus. Sie setzt Zeichen für eine eigene Sichtweise auf die Welt.

Da trifft sich Aatafi mit dem Versmolder Bildhauer Klaus Reincke. Seine auf Papier oder Pergament gezeichneten oder auch in Stahl gegossenen archaischen „Paarungen“ bilden in ihrem wiederkehrenden Vokabular einen schroffen Kosmos: Sensibel in der Linienführung, stark im Ausdruck.

Das gilt auch für die Holzskulpturen des Güterslohers Johannes Zoller. Fast mannshoch schlängeln sich aus einem Stück Holz nur mit dem Stechbeitel „befreite“ überdimensionale „Bänder“ in den Raum. „Panta rhei – alles fließt“ ist der Titel dieser Arbeiten, die Zollers (Lebens-)Philosphie in Form fasst.

Bliebe noch der Paderborner Architekt und Bildhauer Christian Hage, der aus Plexiglas dreidimensionale Objekte schafft, die er mit typografischen Chiffren und Worten bestückt. In Schichten geordnet, zu Würfeln oder belichteten Rechteck-Räumen geordnet, bilden sie „tranzluzente Räume“. Auch das ein Schöpfungsakt.

Es gibt viele Wege, sich der Kunst als Offenbarung zu nähern – im Kunstverein findet man bis zum 1. Mai gleich vier.

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