Corona-Tests für jedermann in Bayern
Jeder soll sich in Bayern auf das Corona-Virus testen lassen können - ganz unabhängig davon, ob er Symptome hat oder nicht. Foto: dpa

Die Tests auf den Coronavirus sollen in Bayern „massiv“ ausgeweitet werden, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag in München erklärte: „Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen.“ Die Kosten für die Test-Offensive will der Freistaat übernehmen. Bayern ist das erste Bundesland, das künftig Texts für jedermann vorsieht.

Generell gilt: Im Kampf gegen das Virus sind inzwischen in ganz Deutschland Tests in vielen Fällen auch ohne akute Krankheitsanzeichen möglich - besonders in sensiblen Bereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor knapp drei Wochen eine Verordnung verkündet, die eine Reihe zusätzlicher Testmöglichkeiten auf Kassenkosten festlegt. Bis dahin gab es Tests auf Kassenkosten in der Regel nur bei Infektionsverdacht. 

Kreis Gütersloh: 75 Menschen ohne Tönnies-Bezug infiziert

Nach dem massiven Coronavirus-Ausbruch beim Fleischbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh ist die Zahl der Infizierten auch in der übrigen Bevölkerung dort „merklich“ gestiegen. Wie der Kreis am Samstagabend mitteilte, wurden in den vergangenen sieben Tagen bis Freitag 75 Menschen positiv auf das Virus getestet, die keinen Bezug zu dem Unternehmen haben. Das waren 28 mehr als im Vergleichszeitraum einen Tag zuvor. Grund für den Anstieg sei wohl vor allem die Ausweitung der Tests, viele der Infizierten zeigten aber keine Symptome, erklärte die Behörde.

In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten wegen des Corona-Ausbruchs in dem Tönnies-Werk mit mehr als 1500 infizierten Mitarbeitern seit vergangenen Mittwoch wieder verschärfte Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Alle Bürger können sich freiwillig testen lassen. Von den Tests in der Allgemeinbevölkerung erhofft sich das Gesundheitsministerium ein Bild, inwieweit sich das Virus ausgebreitet hat. Da die verschärften Auflagen bis zum 30. Juni befristet sind, muss spätestens am Dienstag eine Entscheidung über Auslaufen oder Verlängerung fallen.

NRW: Fleischindustrie muss Beschäftigte ab Juli zweimal die Woche testen lassen

Nach den Vorfällen bei Tönnies muss die Fleischindustrie in Nordrhein-Westfalen künftig Beschäftigte auf ihre Kosten mindestens zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. Die neue Vorgabe gilt ab 1. Juli für Schlachthöfe, Zerlegebetriebe und fleischverarbeitende Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten, wie das Landesministerium für Arbeit und Gesundheit in Düsseldorf mitteilte.

Auch in Bayern soll ein Schwerpunkt der Tests auf Schlachthöfen und Fleischverarbeitungsbetrieben liegen. Ziel sei, „größeren Ausbruchsgeschehen wie in Gütersloh vorzubeugen“, sagte die Gesundheitsministerin. In 33 weiteren ausgewählten Fleischbetrieben sollen die Mitarbeiter in Bayern reihenweise getestet werden. „Dabei wollen wir auch herausfinden, ob die hohe körperliche Belastung oder die Arbeit bei ungünstigen Klimabedingungen mögliche weitere Risikofaktoren für eine Corona-Infektion darstellen“, sagte Huml. Bei den ersten umfassenden Corona-Reihentestungen von Mitarbeitern an 51 Schlachthöfen in Bayern waren nach Ministeriumsangaben insgesamt 110 Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden.

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