Coronavirus: Kreis warnt vor Panikmache
Bild: Bussieweke
Keine Panik: (v. l.) Anne Bunte (Abteilungsleiterin Gesundheit beim Kreis Gütersloh), Heinz-Josef Sökeland als Vertreter der Hausärzte und Thomas Kuhlbusch (Fachbereichsleiter Gesundheit, Ordnung und Recht) fordern auf, angesichts der Ausbreitung des Coronavirus Ruhe zu bewahren.
Bild: Bussieweke

„Man fängt nicht an zu schießen, bevor der Krieg begonnen hat“, bringt es Thomas Kuhlbusch, Fachbereichsleiter Gesundheit, Ordnung und Recht, auf den Punkt. Wer huste, sich krank fühle, solle erst einmal von einer Erkältung, im schlimmsten Fall von einer Grippe ausgehen. Im Kreis Gütersloh sei ohnehin kein Fall einer Corona-Erkrankung bekannt.

Wenn es dazu kommen sollte, müssten rationale, angemessene Entscheidungen getroffen werden. „Sollte sich der Verdacht auf eine Infektion bestätigen, folgen wir einem strengen Plan“, ergänzt Kuhlbusch. Kein Grund zur Panik also. U

nd erst recht kein Grund, die Gütersloher Hausarztpraxen zu überlaufen. Denn genau das erleben die Ärzte im Moment. „Wir werden bestürmt mit Meldungen“, sagt Dr. Heinz-Josef Sökeland als Vertreter der Hausärzte beim Pressegespräch. In Scharen stünden Menschen auf der Matte, oft ohne jegliche Symptome, und verlangten, auf Corona getestet zu werden. „Verstärkt wird das dadurch, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu Tests aufruft und die Menschen darauf hinweist, dass die Kasse dafür zahlt“, sagt Sökeland und ergänzt: „Wir Hausärzte, die die Last tragen, sind stinksauer deswegen.“

Was auf Bundesebene locker-flockig kommuniziert werde, bringe die hiesigen Arztpraxen in die Bredouille. Denn die Ressourcen der Hausärzte gäben nicht her, 30, 40 Menschen am Tag auf Corona zu testen – abgesehen davon, dass das überhaupt nicht nötig sei. Das sprenge den Rahmen – einerseits, was die Vorräte (etwa Masken, Einmalartikel für den OP in Krankenhäusern) angehe, andererseits personell. „Ebenso hilft nicht, wenn bei Maybrit Illner Panik geschürt wird“, sagt Franz-Josef Sökeland und verweist damit auf die jüngste Ausgabe der ZDF-Talkshow.

Gerade mit Blick auf das Wochenende appelliert Anne Bunte, Abteilungsleiterin Gesundheit beim Kreis Gütersloh: „Menschen, die sich krank fühlen, sollten sich genauso verhalten wie bei einer normalen Grippe.“

Im Mittelpunkt stehe im Moment nicht direkt die Frage, wie mit dem Corona-Virus umzugehen sei, sagt Gesundheitsexpertin Anne Bunte. Vielmehr sei wichtig: „Wie halten wir das Gesundheitssystem im Kreis handlungsfähig?“ Denn die Ressourcen, die für Corona aufgewendet würden, fehlten bei der Behandlung anderer Krankheiten wie der Influenza.

In den Blick nehmen solle man, um das Risiko einer Infektion einzuschätzen, die Letalität – also die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu sterben. Die liege nicht allzu weit über der normalen Grippe. Betroffen seien außerdem vornehmlich bestimmte Risikogruppen: etwa Menschen, die älter als 60 sind und chronisch Kranke.

Dass Ressourcen fehlen, sagt Bunte, sei bedingt durch Hamsterkäufe. Wer in diesen Tagen auf der Online-Handelsplattform Amazon nachschaut, findet dort Atemschutzmasken der Schutzstufen FFP2 und FFP3, die teils im Doppelpack für 150 Euro vertrieben werden. Wer die Masken für den Eigengebrauch und ohne konkreten Verdacht auf Corona kaufe, behindere damit das Gesundheitssystem. Noch Schlimmeres berichtet Anne Bunte von den Krankenhäusern Güterslohs. Die nämlich hätten davon berichtet, dass ihnen Masken gestohlen wurden.

Gleichzeitig versichert Gesundheitsexpertin Anne Bunte: „Das, was wir jetzt sagen, gilt für den Moment. Die Situation ist dynamisch, da der Corona-Erreger noch nicht vollumfänglich erforscht ist.“ Der Kreis habe die Situation allzeit im Blick. So finde derzeit in einem zweitägigen Rhythmus ein Gespräch zwischen den zuständigen Behörden, Polizei und Medizinern statt.

Menschen, die sich krank fühlen und informieren möchten, ob sie sich mit Corona infiziert haben könnten, werden gebeten, sich nur in Ausnahmesituationen an den hausärztlichen Notdienst zu wenden, um diesen nicht zu überlaufen. Stattdessen sollten sie sich an die Coronavirus-Hotline des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums wenden. Diese ist erreichbar unter 0211/8554774.

SOCIAL BOOKMARKS