Coventya soll weitere Unterlagen vorlegen
Bild: Bojak
Fühlen sich unzureichend informiert: (v. l.) Christa und Ingo Achtelik, Oliver Kalusch, Dieter Schluckebier und Rüdiger Maas, die beim Erörterungstermin als Einwender auftraten. Sie kritisieren, dass die Firma Coventya die Anwohner nicht intensiver darüber aufklärt, was auf dem Firmengelände passiert und halten den Antrag für die Erweiterung der Lagerkapazität für nicht genehmigungsfähig.
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Die Unterlagen entsprächen nicht den Anforderungen der Störfallverordnung. So argumentierte Oliver Kalusch, Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit. Der Physiker hatte den Erweiterungsantrag der Firma Coventya im Auftrag der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) – wie berichtet – unter die Lupe genommen.

„Es geht um unsere Gesundheit“

Beim Termin im Rathaus erklärten weitere Einwender, warum sie als Nachbarn den Plänen des Unternehmens, das Spezialflüssigkeiten für den Oberflächenschutz herstellt, skeptisch gegenüberstehen. „Es geht um unser Leben, um unsere Gesundheit. Da kann man nicht einfach Formalien übergehen, weil sie zu kompliziert sind“, argumentierte Gisela Maas, eine der Anwohnerinnen. Sie verlange, dass eine detaillierte Liste der gefährlichen Stoffe vorgelegt werde, die bei Coventya gelagert und verarbeitet werden. Wenn sie sich bei einem Störfall vergifte, müsse ihr Arzt wissen, welcher Stoff zur Vergiftung geführt habe. Auch Birgit Niemann-Hollatz (Grüne) argumentierte: „Ich brauche eine vollständige Stoffliste, um beurteilen zu können, wie gefährlich sie sind.“

Stoffklassen statt detaillierter Liste

Ralf Scharf, Gutachter von Coventya (Bild), der den Sicherheitsbericht erläuterte, hatte zuvor betont, dass im Erweiterungsantrag Stoffklassen angegeben würden. Daraus ergäben sich Anforderungen für die Lagerung. Alle einzelnen Stoffe – bei Coventya seien es mehr als 1000 – aufzuführen, sei für das Verfahren nicht notwendig.

Kompletter Sicherheitsbericht liegt vor

Die Bildung von Stoffgruppen mit Einzelmerkmalen sei für die Prüfung sinnvoll, betonte auch Rüdiger Rudolph, Experte für die Lagerung gefährlicher Stoffe beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Melanie Kemper von der Bezirksregierung Detmold, Leiterin des Erörterungstermins, ergänzte, Coventya habe den kompletten Sicherheitsbericht zur Prüfung vorgelegt, nicht nur einen Teilbericht für die geplante Erweiterung, der für das Genehmigungsverfahren ausgereicht hätte. „Bessere Voraussetzungen können Sie nicht haben“, wandte sie sich an die Einwender.

Erörterung zur Entscheidungsfindung

Weil die Einwender immer mehr Details zum Betrieb der Coventya-Anlage von Geschäftsleitung und Sicherheitsexperten erfragten, erinnerte Rainer Hohnemann, Leiter des Dezernats Immissionsschutz der Bezirksregierung, daran, dass beim Erörterungstermin eigentlich die Einwendungen erläutert werden sollten. „Der Termin soll uns als Genehmigungsbehörde weitere Erkenntnisse liefern, um zu einer Entscheidung beizutragen.“

Geschäftsführer erläutert Betrieb und Notwendigkeit der Erweiterung

Helmuth Kluth (Bild), Geschäftsführer von Coventya Gütersloh, beantwortete die Fragen der Einwender und erläuterte, warum eine Erweiterung der Lagerkapazität notwendig sei, wie das Abwasser behandelt werde und dass eine Produktionssteigerung aktuell nicht vorgesehen sei. Er könne die Bedenken der Anwohner nachvollziehen, betonte Kluth. „Meine Kollegen und ich, wir wollen auch sicher leben.“

Weitere Unterlagen müssen vorgelegt werden

Gegen 17.40 Uhr wurde die Erörterung abgebrochen, weil der Ratssaal nicht mehr zur Verfügung stand. Ein Fortsetzungstermin wurde zunächst nicht festgelegt. Rainer Hohnemann entschied, dass Coventya einige Unterlagen nachreichen solle. Über Sicherheitsabstände, eine Umweltverträglichkeitsprüfung und ein Starkregenwasserkonzept wurde bisher nur kurz gesprochen. „Wir sind mit dieser Entscheidung zufrieden“, sagte Dieter Schluckebier, einer der Einwender. Er hoffe, dass Coventya die Chance nutze, die Unterlagen vervollständige und man dann an die Erörterung anknüpfen könne.

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