Das Armutsproblem sichtbar machen 
Bild: Ebel
Eine heiße Kürbissuppe gab Helga Pollmeier an Herbert Westphal, der das Engagement der Gütersloher Suppenküche vor der Martin-Luther-Kirche lobte.
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Das Essensangebot auf dem Berliner Platz in Gütersloh ist groß: Ob Currywurst, Pommes oder Salat – Kunden haben zu diesen Köstlichkeiten Zugang, sofern sie es bezahlen können. Direkt gegenüber, vor der Martin-Luther-Kirche, wurde gestern auf die Menschen aufmerksam gemacht, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können. „Wir bieten heute eine Kürbis- und eine Lauchsuppe an und freuen uns auf jeden Gast, der unsere Hilfe am Tag der Armut annimmt“, sagt Inge Rehbein.

Etwa 80 Gäste sind gekommen, haben eine Suppe entgegengenommen und den Ehrenamtlichen ein Lächeln geschenkt. Einer von ihnen ist Herbert Westphal. Der 68-jährige Gütersloher war mehrere Jahre für Miele sowie für Leihfirmen tätig. „Meine Rente reicht gerade so zum Leben. Dennoch bin ich froh, dass ich hier eine warme Mahlzeit bekomme und mit Freunden über Fußball reden kann“, sagt der Borussia-Dortmund-Fan.

Immer mehr Frauen von Altersarmut betroffen

Es gibt Menschen, denen es schlechter geht als Herbert Westphal, berichtet Inge Rehbein: „Oft reichen das Arbeitslosengeld oder die Rente nicht bis zum Ende des Monats aus.“ Einige lebten sogar auf der Straße und schliefen nach eigenen Aussagen in Parkhäusern und Stadtparks. „Als ich die Suppenküche 2002 gegründet habe, sind wir mit 15 Gästen gestartet – aktuell kommen bis zu 180 Bedürftige zu uns“, sagt Rehbein. Ihr ist aufgefallen, dass immer mehr Frauen in Gütersloh von Altersarmut betroffen sind: „In den vergangenen vier Jahren ist ihre Zahl angestiegen und hat das Niveau der Männer erreicht.“

Toleranz statt Ignoranz

Sich einzugestehen, dass man Hilfe benötigt, ist laut der 69-Jährigen ein Problem vieler Menschen – die Hemmschwelle, die Einrichtung an der Kirchstraße zu besuchen, ist groß. „Wenn jemand den Schritt zu uns gewagt hat, dann lassen wir ihn zunächst ankommen. Im Anschluss folgt ein Gespräch, um die Person näher kennenzulernen.“ Toleranz statt Ignoranz ist das Motto der Suppenküche. Für das Armutsproblem in der Dalkestadt will der Verein mit der Essensausgabe vor der Martin-Luther-Kirche andere sensibilisieren: „Wir möchten die Armut für Außenstehende sichtbarer machen“, setzt sich die Gründerin des Vereins als Ziel.

Widerstand gegen Armut

Der internationale Tag für die Beseitigung der Armut findet seit 1992 am 17. Oktober statt und wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Der Tag hat die Aufgabe, den Widerstand der von Armut betroffenen Menschen zu würdigen, ihnen Gehör zu verschaffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Als Armut bezeichnet man den Mangel an Nahrung, Obdach und Kleidung. In Deutschland gilt man laut der gemeinnützigen Hilfsorganisation Tafel als arm, wenn man bis zu 930 Euro im Monat zur Verfügung hat.

„Kinder brauchen Perspektiven“

Die Gütersloher Suppenküche möchte armen Menschen einen Rückzugsort bieten und eine warme Mahlzeit. Zudem bietet die Einrichtung Duschmöglichkeiten an. In den Wintermonaten werden Schlafsäcke ausgegeben. Bei dem Verein sind 120 Ehrenamtliche und zehn Festangestellte beschäftigt. Auch Kinder sind von Armut betroffen: montags, dienstags und freitags öffnet die Kinderküche Die Insel. „Kinder sind unsere Zukunft und sie brauchen Perspektiven“, sagt Inge Rehbein.

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