Der Historiker als Kriminalist
Bild: Pieper
Tatortbesichtigung: Museumsleiter Dr. Rolf Westheider lässt sich vom Historiker Norbert Ellermann auf der historischen Aufnahme den Tathergang erklären.
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Die Ganoven jagen ihm eine Kugel in den Kopf und schlagen ihn anschließend noch mit einer Metallstange. Es ist der Abend des 7. Novembers 1911. Der Polizist stirbt im Herzebrocker St-Josephs-Krankenhaus. Die Mörder flüchten – und landen doch unterm Henkersbeil.

Das ist das dramatische Ende einer ebensolchen Geschichte. Der Historiker Norbert Ellermann hat sie akribisch aufgerollt – als Wissenschaftler und auch als Familienangehöriger. Denn Wilhelm Ellermann war sein Urgroßonkel.

Wie viel ein Historiker bei der Spurensuche mit einem Kriminalisten gemein hat, offenbart die aktuelle Sonderschau „Mord! Der tragische Tod eines preußischen Polizeibeamten“, die bis zum 15. Mai im Gütersloher Stadtmuseum zu sehen ist. Darin geht es nicht nur um den spektakulären Fall, der die heile Welt des Dörfchens Herzebrock vor 100 Jahren erschütterte, sondern auch um interessante Einblicke in die Anfänge kriminaltechnischer Untersuchungen und in die penible Polizeiarbeit preußischer Provenienz.

 Appell für mehr Zivilcourage

Dass der Schau trotz sachlicher Aufarbeitung aller Quellen – von Interviews mit Nachfahren früherer Zeugen bis hin zu den Recherchen in Heimat- und Landesarchiven – durchaus auch emotionale Nuancen anhaften, gibt dem museal gewordenen Fall eine menschliche Note. Nicht von ungefähr will Ellermann die Ausstellung auch als Appell für mehr Zivilcourage und mehr Respekt vor der Polizeiarbeit verstanden wissen.

Zurück zur Geschichte. Nachdem die Brüder Alex und Anton Stadtkowitz mit ihrem Kumpan Wielich den jungen Polizisten niedergeschossen hatten, verschwanden sie ins westliche Münsterland, wo sie verstärkt um einen weiteren Ganoven unverdrossen ihr Unwesen trieben. Die Vier schlüpften in einem stillgelegten Stollensystem bei Borken unter, wo sie schließlich nach wilder Schießerei mit der Polizei und einer beherzten Bürgerwehr gestellt werden konnten. Das Quartett wurde in Münster zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das mörderische Trio musste sich zudem in Bielefeld vor Gericht verantworten.

 Bratkartoffeln als Henkersmahlzeit

Wielich erhängte sich in der Haft. Der Versuch der Brüder Stadtkowitz, ihm den Mord in die Schuhe zu schieben, scheiterte ebenso wie ein Gnadengesuch beim Kaiser. Am 24. Oktober 1912 wurden die beiden enthauptet. Die Akten belegen, dass es die letzte Hinrichtung im Hof des Bielefelder Landgerichts gewesen ist. Die Henkersmahlzeit war deftig: Bratkartoffeln und Kotelett.

Den kompletten Bericht lesen Sie in der Gütersloher Ausgabe vom 24. März.

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