Der Mensch und seine Geschichte
Bild: Bojak
Führt das Pflegemodell der Mäeutik in den Pflegewohngemeinschaften der Diakonie Gütersloh ein: Margarete Langwald hat das Konzept der Niederländerin Dr. Cora van der Kooijs während des Studiums kennengelernt.
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Dabei werden bei Demenzkranken die Fähigkeiten und Fertigkeiten bewusst gemacht und gefördert. „In unseren neun Wohngruppen für Demenzkranke wollen wir mehr auf den einzelnen Menschen schauen“, erklärt Margarete Langwald, Qualitätsmanagement-Beauftragte der Diakonie Gütersloh. Die herkömmliche Pflege orientiere sich an den medizinischen Defiziten der Menschen. „Wer sich den Kaffee nicht mehr selbst kochen kann, bekommt ihn eben vom Pflegepersonal auf den Tisch gestellt“, erläutert Margarete Langwald.

Verunsicherung kann aggressiv machen

„Dabei verunsichert es die Kranken zutiefst, wenn sie etwas tun wollen und feststellen, dass sie dazu nicht mehr in der Lage sind.“ Das könne zum Beispiel dazu führen, dass der Betroffene ein herausforderndes und aggressives Verhalten zeige. „Unsere Mitarbeiter, die nach dem Modell der Mäeutik arbeiten, sprechen den Demenzkranken direkt auf sein Problem an“, sagt die 43-Jährige. „Sie haben früher ihren Kaffee sicher immer selbst zubereitet. Heute mache ich das einmal für Sie.“ So oder ähnlich könnte die Ansprache an einen Demenzkranken lauten. Häufig würden die alten Menschen auch nach der bereits lange verstorbenen Mutter rufen. „Wir sagen dann nicht einfach: ,Ihre Mutter ist doch schon lange tot‘, sondern bitten den Kranken, zu erzählen, was für ein Mensch die Mutter war, wie sie ausgesehen hat“, führt die Qualitätsmanagerin weiter aus. Oft flaue der Gefühlsausbruch nach so einem Gespräch langsam wieder ab und für den Pflegegruppenbewohner könne der Alltag ruhig weitergehen.

Lebensgeschichte vor der Krankheit ist wichtig

„Für unsere Arbeit ist es außerdem wichtig zu erfahren, was für ein Mensch der Kranke vor dem Ausbruch der Demenz war“, erläutert Langwald. Wer früher im Beruf erfolgreich war, vielleicht Vater von vier Kindern und eine eher autoritäre Persönlichkeit, müsse anders behandelt werden als ein eher zurückhaltender Mensch ohne Familie. „Um mehr über die Lebensgeschichten zu erfahren, arbeiten wir auch eng mit den Angehörigen zusammen“, beschreibt Margarete Langwald das Vorgehen des Pflegeteams. Um sowohl mit den Demenzkranken als auch mit den Angehörigen richtig umgehen zu können, erhalten die Pflegekräfte der Diakonie spezielle Schulungen, die sie in die Arbeit nach dem Mäeutik-Konzept einführen und begleiten.

Mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der „Glocke“ vom 29. August 2013

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