Der Siegeszug der tollen Knolle
Bild: Reinkemeier
Das „Schälwunder“, ein Gerät vergangener Tage. Damit lässt sich noch heute eine Kartoffel in wenigen Sekunden von der Schale befreien.
Bild: Reinkemeier

 „Über die Herkunft der Kartoffel gibt es viele Geschichten. Belegt sind davon nur die wenigsten“, sagt Historiker Norbert Ellermann. So hätten laut Erzählungen entweder die Spanier oder die Briten im 16. Jahrhundert erstmals den Erdapfel nach Europa gebracht, ergänzt Martin Wedeking. Gemeinsam haben die beiden Historiker die Ausstellung „Pickert, Pommes, Pellkartoffel – Streifzug durch ein Kartoffelland“ zusammengestellt.

Schaue man sich heute die Vielfalt der Kartoffelspeisen vor allem in Westfalen an, dann klinge es fast paradox, dass die Knolle erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts ihre Verbreitung in Deutschland fand, sagt Norbert Ellermann: „Allerdings damals als Viehfutter und als Nahrungsmittel der Unterschicht.“

Erst später bemerkte die obere Schicht, wie sinnvoll das „Gold der Inka“ einzusetzen war. „Heute gibt es unzählige Variationen. Fast jede Hausfrau hat ihr eigenes Rezept“, sagt Ellermann.

Während er vor allem auf Bratkartoffeln schwört, ist Museumsleiter Dr. Rolf Westheider ein Verfechter von Pickert. Das Gemisch aus Kartoffeln, Salz, Eiern und Mehl ist eine ostwestfälische Erfindung, wie Martin Wedeking erläutert: „Die Kartoffeln wurden als Getreideersatz genutzt. Denn der Anbau von Getreide war hier in der Region nicht möglich.“ Die Kartoffeln wurden zu einem Fladen gebacken. Bis heute ist der Pickert eine beliebte Speise in Westfalen.

Von Uraltrezepten über Schälmaschinen vergangener Tage bis hin zu geschichtlichen Hintergründen erfährt der Besucher des Stadtmuseums bis zum 22. November Wissenswertes über den Werdegang der tollen Knolle. Auch Schulklassen sind willkommen, denn die Historiker wollen auch Aufklärung betreiben: Viele Kinder wüssten nicht, woraus Pommes gemacht würden.

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