Die Ära der Schäfer läuft aus

„Wer Schäfer werden will, muss viel Liebe zum Tier und zur Natur mitbringen“, weiß der 55-Jährige. Bis Anfang April ist er noch – wie alle Jahre wieder – als Wanderschäfer mit seinen derzeit 250 Marino-Schafen auf Kleegrasflächen und Zwischenfruchtflächen in Gütersloh unterwegs. Dann werden die Tiere auf die Sommerweide in der Nähe von Paderborn gebracht.

 Insgesamt 550 Vierbeiner unterhält der selbstständige Schäfermeister aus Lichtenau-Herbram. Seit 1476 hat die Schäferei in der Familie Hense Tradition. „Noch zehn Jahre, dann ist wohl endgültig Schluss“, bedauert Anton Hense. Es findet sich kein Nachfolger mehr.

Kein Wunder. Früher haben die Schäfer noch vom Verkauf der Wolle leben können, erzählt Hense. Starke Preissenkungen in den 60er-Jahren hätten das Geschäft

2010 hat Anton Hense wie fast alle Schäfer an der europaweiten Aktion „Hirtenzug“ teilgenommen, um auf den Nutzen, den Schafe für die Allgemeinheit erbringen, aufmerksam zu machen. „Die Wanderherden nehmen dabei einen besonderen Stellenwert ein“, sagt der Schäfermeister, der in seinem Betrieb auch ausbildet. Schafe pflegten Landschaften, erhielten Pflanzenarten, düngten den Boden, stärkten Grasnarben, bearbeiteten auf natürliche Weise Flächen im Winter, die nicht mehr abgeerntet werden konnten. Die Vorteilsliste sei noch viel länger, sagt Hense. Aber hat die Allgemeinheit die Zielsetzung der kostspieligen und aufwendigen Aktion so wahrgenommen? Hense bezweifelt das. „Die Bedeutung der Natur wird meistens erst beachtet, wenn die Katastrophe da ist“, befürchtet er. Das gilt auch für die Schafe.

aber nicht mehr profitabel gemacht. Nur das Lammfleisch bringe dem Schäfer heutzutage noch etwas Geld ein. „Wenn sich nicht bald etwas ändert, wird es das Berufsbild Schäfer nicht mehr geben“, ist der frühere Sprecher seines Standes überzeugt. Daran sei auch der „Brüsseler Bürokratiewahnsinn“ schuld, sagt Hense (siehe Hintergrund). Ein Schäfer müsse 365 Tage im Jahr hart arbeiten. Von früh morgens bis spät abends. Die von der EU geforderten Vorgaben seien da gar nicht umsetzbar. Der tägliche Bürokram verschlinge mindestens eine ganze Stunde oder mehr am Tag.

Schafe leisten einen wertvollen Beitrag zu einer naturschutzgerechten Bewirtschaftung von Flächen“, wirbt der 55-Jährige unverdrossen. „Sie sind viel günstiger und umweltverträglicher als eine mechanische Flächenpflege“, betont das Mitglied des Schafzuchtverbands NRW. Nicht von ungefähr setzt er sich weiterhin für den Erhalt seines Berufs ein. „Das ist meine Berufung“, sagt Hense, der sich keine abwechslungsreichere Tätigkeit vorstellen kann.

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