Die Daktiker zwischen Klausur und Klischee
Bild: Dünhölter
Lehrer haben’s schwer: Szene aus dem aktuellen Programm „Adolphinum – all inclusive“ der Kabarett-Truppe „Die Daktiker“ mit (v. l. ) Hans-Peter Königs, Andreas Boxhammer,  Brigitte Lämgen und Hermann-Josef Skutnik.
Bild: Dünhölter

„Adolphinum – all inclusive“ lautete das mittlerweile achte Programm der aus Lehrern bestehenden Kabaretttruppe, das zu Recht lautstarken Beifall erhielt. „Ein Kabarettabend ohne Lehrer ist wie alkoholfreies Bier“ behauptet seit jeher Vorzeige-Spötter Volker Pispers. Kein Wunder, erlebt doch dieser Berufsstand mit jährlich 14 Wochen Ferien ganz offensichtlich mehr Kurioses als jeder anderer. Wovon Andreas Boxhammer, Hans-Peter Königs, Brigitte Lämbgen und Hermann-Josef Skutnik zur Freude der Besucher bissig-böse und vergnüglich-ironisch zu erzählen und auch zu singen wussten. Für Letzteren war der Auftritt übrigens ein Heimspiel: Skutnik unterrichtet an der Janusz-Korczak-Gesamtschule Religion, Latein und Philosophie.

Ob Modellschule, Vertretungsplan, Konfrontation im Lehrerzimmer oder beim Besuch der Schulleitung: der ewig kommissarische Adolphinum-Schulleiter Willi R. Lass (Andreas Boxhammer) konnte einem phasenweise schon leidtun. Nicht nur, weil er sich auf das unverbindliche Versprechen auf eine fristlose Beförderung zum Schulleiter durch den rigiden Oberregierungs-Schuldirektor Letzky (Hans-Peter Königs) und dessen Adlatus Dr. Johannknecht (Hermann-Josef Skutnik) eingelassen hatte, sondern auch, weil er damit verbindlich deren Vorstellungen zur Errichtung einer „Modellschule des gemeinsamen Lernens“ nachkommen musste. Alles ohne zusätzliche Fördermittel natürlich. Aber dafür mit dem Gegenwind chaotischer Lehrerkollegen wie Volker Müller-Liebenstreit (Hermann-Josef Skutnik) und der Gleichstellungsbeauftragten (Brigitte Lämbgen).

 Im Ergebnis wurden in einem gnadenlosen Ironie-Trip nicht nur die Schüler-Lehrer-Kommunikationen benotet, sondern auch die tumbe Ahnungslosigkeit der Smartphone-Generation thematisiert. Kein einfacher Job, zumal auch noch der „Inklusionsgedanke“ den schulischen Alltag prägen musste, frei nach dem Motto: „Koste es, was es wolle, keiner darf zurückbleiben.“

 Und während sich der Schulleiter Pink Floyds „Another brick in the wall“ in der telefonischen Warteschleife hingibt und die Schulbehörde gerade mal wieder die Evaluation evaluiert, haben es die Kollegen mit rebellischen Schülern, einer kampfbereiten Elternschaft wie dem Vater des Klassenclowns Dustin sowie mit Ausflügen ins Bermudadreieck der deutschen Lyrik zu tun. Ganz zu schweigen vom „Klobulus“, einem Nutzungsentgeld für die Schülertoiletten.

Vielseitig, passgenau und humorvoll boten die vier Akteure einen überaus kurzweiligen Abend. Prüfung bestanden. Setzen.

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