Die letzten Tage von Westfalen
Bild: Pieper
Güterslohs Theaterchef Christian Schäfer stellt am Sonntag, 19. Oktober, mit der szenischen Collage „Die letzten Tage von Westfalen“ seine dritte Regiearbeit vor.
Bild: Pieper

 Wie schon bei seinen ersten beiden Regiearbeiten  setzt er auch dieses Projekt auf seine ganz eigene Art und Weise um - und auch als Antwort auf lokale Fragestellungen und Fundstücke zum Ersten Weltkrieg. Am Sonntag, 19. Oktober, ist um 19.30 Uhr die Uraufführung. Das Projekt wird von der Bürgerstiftung unterstützt.

„Alles eine Frage der Dramaturgie“ sagt er. Und stellt dabei gleich klar, dass er mit seinem Stück „Die letzten Tage von Westfalen“ nicht die Absicht hat, Karl Kraus’  sprachgewaltige und satirische Abrechnung mit Kriegstreibern und -gewinnlern einerseits sowie den ewigen Kopf-in-den-Sand-Steckern andererseits in kompakter Form auf die Bühne zu bringen. Vielmehr hat er für seine szenische Collage fein säuberlich zwei von den mehr als 1000 Figuren aus dem 400-seitigen Kraus-Konglomerat herausgelöst: den Optimisten und den Nörgler. Gespielt von dem am Jungen Theater Dortmund tätigen Gütersloher Andreas Ksienzyk und dem an der Detmolder Musikhochschule Gesang studierenden Schauspieler Gunnar Frietsch. Die beiden werden sich ein Rede-Duell liefern, das vom pathetischen Hurra-Patriotismus bis zur Entlarvung jener Mechanismen reicht, die immer wieder Kriege entstehen lassen, in denen Menschen leiden und sterben müssen.

Für bewusst inszenierte „Störmomente“ sorgen die Musik, die das Detmolder Ensemble Horizonte eigens komponiert hat und auch spielt, einige Showchoreographien wie man sie von Truppenbetreuungen her kennt, aber auch ein Tänzer, der den traumatisierten Veteran gibt. Akteure der Gütersloher Tanzschule Danceair schlüpfen in die diversen Rollen.

Die szenische Collage „Die letzten Tage von Westfalen“ hat am Sonntag, 19. Oktober, auf der Studiobühne des Theaters Gütersloh Premiere. Eine Wiederholungs-Vorstellung findet im Rahmen der Aktion „Lesestadt Gütersloh“ am Dienstag, 28. Oktober, statt. Beide Aufführungen beginnen um 19.30 Uhr. Karten gibt es in den „Glocke“-Geschäftsstellen sowie bei Gütersloh Marketing, Tel. 05241/2113636 und an den Abendkassen.

Hinzu kommen noch Originaltexte aus Feldpostbriefen, die der in Herzebrock und Harsewinkel tätige Archivar Eckhard Möller gefunden hat. Von ihm stammt auch die Initialzündung zum Stück.

„Es wird keine der üblichen Gedenklesungen zum Ersten Weltkrieg“, sagt Schäfer. Er möchte als Regisseur aber auch nicht die Moralkeule schwingen. Ihm geht es vielmehr um einen philosophischen Ansatz, um die Suche nach tragfähigen Antworten auf schwerwiegende Fragen: Wieso tut sich die Menschheit Kriege an? Wann sorgen falscher Nationalismus oder fanatischer Glaube dafür, dass die Aggression schwerer wiegt als das Grundbedürfnis nach Frieden? Und, ganz wichtig, wie verführbar ist der Mensch – gestern, heute und leider wohl auch morgen?

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