Diese Blues Brothers rocken das Theater 
Bild: Pieper
Heiße Musik, coole Revue: Die Karlsruher Inszenierung „A Tribute to the Blues Brothers“ begeisterte im Theater Gütersloh.
Bild: Pieper

Die Zuschauer feiern die supercoolen, groovenden „Blues Brothers“ vom Kammertheater Karlsruhe, die am Freitagabend lässig-locker mal eben für zwei Stunden die Bühne im Theater Gütersloh gerockt haben.

 Diese Tributrevue ist kein simpler Abklatsch des Kultfilms. Autor und Regisseur Ingmar Otto erzählt zwar in seiner griffigen, von poppig-psychedelischen Videos flankierten Collage dessen Entstehungsgeschichte. Den Schwerpunkt aber legt er auf den Aufstieg und Fall des Schauspielers John Belushi, jenen Anarcho, der in Hollywood-Mime Dan Akroyd einen geistigen und musikalischen Blutsbruder fand. Gemeinsam wurden sie durch die New Yorker TV-Sendung „Saturday Night Live-Show“ zu Stars. 

Vom Aufstieg und Fall einer Ikone

Vom Ruhm und Rummel angeturnt, begaben sie sich selbstbewusst als weiße „Blues Brothers“ Jake und Elwood auf eine selbstgewählte „göttliche Mission“, um ihrer tiefschwarzen Lieblingsmusik – mitten in der Disco-Ära – ein unkonventionelles, filmisches Denkmal zu setzen. Argwöhnisch beäugt von den Hollywood-Mogulen, die aufgrund drastischer Budgetüberziehungen einen Mega-Flop befürchteten. Und abgelehnt von den weißen Kinobesitzern, denen mit Ray Charles, Aretha Franklin und James Brown zu viele schwarze Stars mitspielten.

Doch die Mächtigen irrten. Der Rest ist Geschichte. Der Film spielte 115 Millionen Dollar ein und gilt als einer der großen und nachhaltigsten Filmerfolge von Universal.

Dass John Belushi nur zwei Jahre nach der Premiere an einem Drogencocktail aus Kokain und Heroin starb, bringt den realen Blues gleich zu Anfang in diese Revue, die die ganze Geschichte – beginnend mit der Beerdigung – von hinten aufrollt. Der Wiener Opernbass Ronald Tettinek spielt wunderbar bauchlastig, radschlagend und nicht nur beim „Jailhouse Rock“ kniescheibenelastisch diesen unangepassten, gegen jede Konvention aufbegehrenden Tausendsassa Belushi. Ein Wucht-in-Tüten-Lebemann, der mächtig rockt und röhrt. Und der beim softig-souligen „Stand by your man“ doch anrührend sein Herz offenlegt. Wie war das noch? „Everybody needs somebody to love“.

 Jörg Bruckschen liefert als Mundharmonika spielender Dan Akroyd passgenau den bis zur Lethargie reichenden ultralässigen, stets die Übersicht bewahrenden Gegenpart. Die beiden sind ein starkes Duo, das mit flippigen Gimmicks die Szene beherrscht.

Blues-Herz, was willst du mehr?

Die musicalaffine Georgia M. Reh mimt Judy Belushi und glänzt nicht zuletzt mit souligem Timbre beim Gospel „Freedom“. Schauspieler und Bariton Stephan Weigelin gibt gleich zehn Rollen Profil, darunter als gestresster Star-Regisseur Steven Spielberg und als Bodyguard Smoky, der mit Cab Calloways Jazz-Klassiker „Minnie the Moocher“ punktet.

 Ob Rock, Soul, Swing, Jazz oder Blues – schlichtweg großartig ist die siebenköpfige Musikgruppe, die echten Blues-Band-Sound abliefert. Sattes Blech mit Big-Band-Avancen aus nur einer Trompete und Posaune sowie einem Saxofon, ein schön schwarzes Bass-Basement, explosive Gitarrenriffs und ein schnittiges Keyboardspiel. Blues-Herz, was willst du mehr?

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