„Dorian Gray“ in  Goldglanz-Version
Bild: Werner
Markus Meyer lieferte als „Dorian Gray“ in der Inszenierung des Wiener Burgtheaters eine bildgewaltige One-Man-Show in Gütersloh.
 
Bild: Werner

 Dass das keine Maxime der Moderne, sondern ein zeitloser Entwurf ist, hat Oscar Wilde schon mit seinem Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ bewiesen. Mit dem ihm eigenen Zynismus beschrieb er ein Leben für den Augenblick, ausschweifend, ich-bezogen, konsumorientiert. Der radikale Gegenentwurf zur bieder-bigotten Moral des viktorianischen Zeitalters, der der anfangs gefeierte Dandy Oscar Wilde mit seiner offen zur Schau gestellten Verachtung für diese scheinheilige Gesellschaft – und auch aufgrund seiner Homosexualität – am Ende zum Opfer fiel. Er starb nach zweijähriger Haft, nicht mal 50 Jahre alt.

Es ist dieser Hintergrund und die Ambivalenz einer Welt des schönen Scheins, die die Geschichte für Film und Bühne immer wieder so attraktiv macht. 2010 hat Regisseur Bastian Kraft sie als ambitionierte One-Man-Show für das Wiener Burgtheater inszeniert. Sie wurde ein Dauerbrenner. Mit Markus Meyer als Tausendsassa in allen Rollen war sie jetzt als Ersatz für das krankheitsbedingt abgesagte Gastspiel „Welt im Rücken“ im Theater Gütersloh zu sehen. Und sie wurde mit prasselndem Applaus belohnt.

Das Publikum feierte einen expressiv aufspielenden Markus Meyer in der Titelrolle, der die Wandlung vom anfangs unbedarften Schönling zum menschenverachtenden, mordenden Egomanen mit Bravour auf die Bühne brachte. Dafür turnte er durch ein von Peter Baur erdachtes kompaktes Bühnengestänge mit zig Projektionsflächen für teils schrille Videoeinspielungen. Immer wieder überdimensioniert: das goldglänzende Gesicht, Abbild des Dorian Gray, das an seiner statt altert und von seinen bösen Handlungen zunehmend gezeichnet wird. Gemalt hat es der introvertierte, unsichere Basil. Meyer spielt auch diesen bebrillten, schwarzgelockten Maler in den rasch wechselnden Filmsequenzen ebenso gekonnt so wie dessen Gegenspieler in der Gunst um Dorian. Das ist der glatzköpfige, mephistophelische Lord Henry. Ein zynischer Genussmensch, der Jugend für das Einzige hält, das es zu besitzen lohnt. Meyer mimt zudem den devoten Diener in Livree und den rachsüchtigen, pennerhaften Bruder einer von Dorian in den Tod getriebenen Frau. Reichlich viel Kino im Theater.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der „Glocke“ vom 22. Januar

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