Eddys Leben vor, mit und nach Panik-Udo
Bild: Pieper
Macht seinem Namen alle Ehre: Eddy Kante. 1,86 Meter groß und wuchtig war der Hagener Frank Schröder der langjährige Rundumversorger für Udo Lindenberg.  Am Mittwoch, 15. Februar, 20 Uhr, wird er in der Gütersloher Weberei über sein Leben vor, mit und nach dem Rockstar berichten.
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 Ein gut funktionierende Allianz, bis ein Streit über Eddys Autobiografie „In meinem Herzen kocht das Blut“ und eine anschließende gerichtliche Auseinandersetzung die beiden 2013 entzweite. Am heutigen Mittwoch berichtet der aus Hagen stammende 57-Jährige in der Gütersloher Weberei über sein Leben vor, mit und nach Udo Lindenberg.

Mit dabei ist Wilhelm Kakoska, der unter dem Titel „Panik“ seinen fiktiven Krimi über Deutschlands dienstältesten Rockstar vorstellt. Die Mischung aus Lesung, Talk und Fotoschau beginnt um 20 Uhr.

„Die Glocke“: Eddy, was werden Sie am Mittwochabend erzählen?

Karten: Für die Lesung am Mittwoch, 15. Februar, ab 20 Uhr mit Eddy Kante und Wilhelm Kakoska in der Gütersloher Weberei gibt es noch Karten unter Tel. 05241/234780.

Kante: Bis zur Pause wird’s nicht lustig. Denn mein erstes Leben war Sch . . . Mit zehn bin ich das erste Mal aus dieser Hölle weggelaufen, weil mein ewig betrunkener Stiefvater mich immer wieder verdroschen hat, bis das Blut floss. Ich kam zu meiner Tante Hilde. Aber da war meine Seele schon verbrannt. In der Schule habe ich dann selbst geprügelt, lieber ausgeteilt als eingesteckt. Ich wurde Rocker und Zuhälter, habe Schutzgelder erpresst. Warum sollte ich auch Nein sagen, wenn man mir Geld gab, nur weil ich böse geguckt habe? Natürlich bin ich im Knast gelandet. Unter anderem war ich neun Monate in Verl und habe als Knacki bei Alulux gearbeitet.

„Die Glocke“: Und dann kam Udo und hat Sie gerettet?

Kante: Udo war für mich schon immer da. Der sang, was ich fühlte und dachte. Schon als 15-Jähriger habe ich behauptet, für ihn zu arbeiten. Ich habe keines seiner Konzerte im Ruhrpott verpasst, habe mich an allen Security-Leuten vorbeigedrängelt bis ich direkt vor Lindenberg stand. Irgendwann kannten mich alle und haben mich nur noch durchgewunken. Und dann hat Udo gesagt, „wenn Du mal in Hamburg bist, komm vorbei.“ Das hab ich gemacht, als ich nach der Automechanikerlehre in Hamburg meine Grundausbildung als Soldat hatte.

„Die Glocke: . . . und blieben, aber nicht nur als Bodyguard.

Kante: Wir beide sind seelenverwandt, das muss man wissen. Wir sind beide durchgeknallt, sonst hätten wir es gar nicht so lange miteinander ausgehalten. Im Laufe der Zeit bin ich für alles Mögliche zuständig geworden, denn Udo hatte kein Management. Und ohne jetzt arrogant wirken zu wollen: Ich habe Udo gemacht.

„Die Glocke“: Das heißt?

Kante: Er hat mir blind vertraut. Ich handhabte seine Kreditkarten, habe die Tour-Hotels gebucht, die Post abgeholt, habe für ihn eingekauft, weil er mit der Auswahl im Supermarkt garantiert überfordert gewesen wäre. Wir sind zusammen in Urlaub gefahren. Karibik oder Everglades. Dank ihm habe ich viel von der Welt gesehen. Wir haben über alles geredet. Und ich bin auch bei ihm geblieben, als er seinen Alkohol-Absturz hatte.

„Ich habe 30 Jahre meinen Traum leben können“

„Die Glocke“: Also war das eine echte Freundschaft?

Kante: Er wollte immer mein großer Bruder sein. Aber er war mehr. Für mich war er ein Ziehvater. Er hat mich gelehrt, mit Messer und Gabel zu essen, hat mir den richtigen Weg gezeigt. Und ich habe mehr als 30 Jahre meinen Traum leben können.

„Die Glocke“: Haben Sie ihn um sein Leben als Star beneidet?

Kante: Nein, nie. Im Gegensatz zu ihm haben mich die Fans, die uns nicht mal in Ruhe essen ließen, oft genervt. Ich habe ja auch mehrere Jahre mit ihm im Hotel gelebt, erst im Interconti, dann im Atlantic. Für ihn ist das genau das Richtige. Er muss sich nicht um ein Haus kümmern, nutzt die Rezeption als Büro. Alles ist immer sauber und fertig. Und wenn er fünf Portionen Thunfischsalat will, dann bekommt er sie. Für mich ist das nichts.

„Die Glocke“: Wie kam es zum Zerwürfnis?

Kante: Irgendjemand muss Udo eingeflüstert haben, dass die Passagen im meinem Buch über meine Zeit als mieser Strolch der „Firma und Marke Lindenberg“ schaden. Dabei wussten alle davon, denn ich stehe zu meiner Vergangenheit – auch vor meinen drei Kindern, die 13, 23 und 36 Jahre alt sind, und die ich übrigens nie geschlagen habe. Jedenfalls musste ich gehen und mich arbeitslos melden. Beim Arbeitsamt haben sie gefragt, was ich vorher gemacht habe. Aufgrund der Beschreibung des Jobs und weil ich quasi Prokura hatte, haben die einen Monatslohn von 8000 Euro errechnet. Bekommen habe ich aber immer nur rund 2000 Euro. Und schon stand eine Nachzahlungsforderung von rund einer halben Million Euro im Raum. Auch wenn die „Bild“ titelte „Eddy verklagt Udo“ – ich habe nie Anklage erhoben.

 „Die Glocke“: Die Einigung erfolgte dann außergerichtlich. Mittlerweile arbeiten Sie als Tourguide auf St. Pauli für den Hamburger Kiez-Clan um Olivia Jones und haben im vergangenen Sommer auch Udo Lindenberg bei einer Führung hinter die Kulissen blicken lassen. Da war von Versöhnung die Rede.

Kante: Auch der Kiez ist Showbusiness. Das gemeinsame Foto war nur für die Presse. Wir reden immer noch nicht miteinander. Er ruft nicht an. „

„Die Glocke“: Und warum rufen Sie ihn nicht an?

„Kante“: Ich habe keinen Mist gebaut, sondern nur ein Buch geschrieben. Fürs Betteln bin ich nicht gemacht.

 Den kompletten Bericht, in dem Eddy Kante verrät, was er künftig vorhat, lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 15. Februar.

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