Ein Albtraum, aus dem man nicht erwacht
Will möglichst viele Menschen motivieren, sich für die Deutsche Knochemarkspenderdatei registrieren zu lassen: Elke Karwat hofft, dass für ihren Sohn möglichst schnell ein Spender gefunden wird, damit die akute Leukämie geheilt werden kann. 

Nur eine Transplantation gesunder Stammzellen kann sein Leben retten. Kurz vor der Typisierungsaktion erinnert sich Daniels Mutter Elke Karwat an einen anderen Tag in ihrem Leben, den sie nie vergessen wird. „Am 8. September haben wir die Diagnose bekommen. Gegen 21 Uhr“, erzählt die 48-Jährige in der Cafeteria des Städtischen Klinikums. „Es war der schlimmste Tag in meinem Leben.“ Am nächsten Tag wollte ihre Tochter Yvonne heiraten.

Experte stellt sofort richtige Diagnose

„Wir waren doch nie krank“, erzählt Elke Karwat über die Woche, in der sich das Leben der Familie grundlegend veränderte. Daniel sei seit ein paar Tagen auffallend schlapp und blass gewesen. „Er hatte plötzlich am ganzen Körper blaue Flecken, sogar auf der Zunge.“ Eine Freundin habe ihr die Adresse ihres Hausarztes gegeben. „Wir hatten ja gar keinen eigenen“, erklärt Daniels Mutter. Der Arzt habe seinen jungen Patienten sofort in das Städtische Klinikum geschickt. Dr. Gero Massenkeil, Chefarzt der Medizinischen Klinik II und Experte für akute Leukämie erkannte sofort, dass Daniel in Lebensgefahr schwebte.

Einfach nur zusammengerissen

 „Ich habe schon etwas geahnt, als wir zum Arzt gefahren sind“, erzählt Elke Karwat. Die endgültige Diagnose zog ihr trotzdem den Boden unter den Füßen weg: „Ich hatte das Gefühl, ich bin in einem Albtraum und werde nicht wach.“ Daniel blieb im Klinikum. Dass er auch nur für ein oder zwei Stunden bei der Hochzeit seiner Schwester mitfeiert, daran war nicht zu denken. „Absagen konnten wir die Hochzeit ja so kurzfristig auch nicht mehr“, sagt Elke Karwat. Sie ging also am nächsten Morgen mit ihrer Tochter zum Friseur. „Es sollte doch ein richtig schöner Tag für sie werden“, beschreibt Elke Karwat das Hin- und Hergerissensein in der Situation. Vor dem Termin beim Standesamt fuhren Mutter und Schwester zu Daniel ins Krankenhaus. „Ich habe mich einfach nur zusammengerissen“, erinnert sich Elke Karwat.

Vertrauen in die Ärzte

Auch bei der Hochzeitsfeier habe sie immer nur daran gedacht, dass ihr Sohn Leukämie habe. „Und ich habe gehofft, dass mich niemand anspricht“, erinnert sie sich. „Ich glaube, dann hätte ich einfach losgeheult.“ Noch fast vier Monate nach der ersten Diagnose muss Elke Karwat immer wieder die aufsteigenden Tränen niederkämpfen. Schwach werden darf sie nicht. Dazu braucht Daniel sie zu sehr als Unterstützung im Kampf gegen den Krebs. „Woher ich die Kraft nehme, weiß ich manchmal selbst nicht. Aber vielleicht bin ich einfach eine starke Frau.“ Mutter und Sohn verbringen jetzt ungewöhnlich viel Zeit miteinander. „Ich komme jeden Nachmittag nach der Arbeit, um zu sehen, wie es ihm geht und ob er etwas benötigt.“ An den Wochenenden ist sie mehrere Stunden an der Seite ihres Sohnes. Abgelöst wird sie von Daniels Vater Detlev, von Daniels Schwester und hin und wieder auch von Daniels Freunden. Seit Wochen pendelt Elke Karwat praktisch nur noch zwischen ihrer Arbeitsstelle in Verl und dem Städtischen Klinikum hin und her. „Ich will trotzdem weiterarbeiten“, sagt sie. „Sonst würde ich ja nur zu Hause sitzen und gar nicht mehr aufhören zu grübeln.“ Stattdessen verlässt sie sich ganz auf das Team von Dr. Gero Massenkeil und auf die Ärzte des Knochenmarktransplantationszentrums der Universitätsklinik Münster. Und sie hofft, dass schnell ein Stammzellenspender für Daniel gefunden wird. Die Chemotherapien können die Krankheit zwar in Schach halten, ein Rückfall ist aber jederzeit möglich. „Ich will nur, dass mein Sohn wieder gesund wird.“

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