Ein Duft von Rosen zieht durch die Opernwelt
Bild: Pieper
Aus dem Berliner Opernstudio kamen (v.l.) Mezzosopranistin Corinna Scheurle, Bariton Adam Kutny und Sopranistin Sarah Aristidou nach Gütersloh.
Bild: Pieper

Zaghaft gehalten, schmachtend überreicht oder auch mal wütend weggeworfen, begleitete sie Bühnenakteure und Publikum durch einen klangvollen Abend.

Unter dem Titel „Ein Duft von Rosen“ hatte Liz Mohn zum Opern-Recital geladen. Mit spürbarer Freude präsentierte sie vier junge Sänger aus dem von ihrer Kultur- und Musikstiftung geförderten Berliner Opernstudio. Angegliedert an die Staatsoper Unter den Linden, erhält der talentierte Gesangsnachwuchs dort seit 2007 eine in dieser Form einzigartige Rundum-Intensiv-Ausbildung – und kann sich in ersten Rollen auf großer Bühne ausprobieren.

„Liz Mohns Faible für schöne Stimmen kommt uns zugute“, gab Berlins Staatsopern-Intendant Matthias Schulz unumwunden zu. Als Ehrengast erstmals in Gütersloh, lobte er nicht nur Bertelsmann als „Kraftzentrum“, sondern auch Liz Mohn dafür, dass sie die „richtigen Strukturen zur Nachwuchsförderung“ schaffe. Und: „Sie kommen überall auf der Welt herum, kennen die richtigen Leute. Das hilft.“ Dem Opernstudio gehe es darum, einen neuen Sängertypus zu schaffen, betonte Schulz. Stimmen, die in einer globalisierten Welt nicht überhört werden.

Corinna Scheurle ist solch eine Stimme. Die Mezzosopranistin mit deutsch-ungarischen Wurzeln zählte zu den Semifinalisten und Meisterkursus-Absolventen der „Neuen Stimmen“ 2015/16. Fehlte es ihr damals noch an Bühnenpräsenz, so glänzte sie jetzt mit unaufdringlicher, aber wirkungsvoller Souveränität. Makellos war sowohl ihre Blitzsymphathieerklärung als Octavian in Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ als auch ihre strahlende Rosina-Arie aus dem „Barbier von Sevilla“.

Zauberhaftes Blumenduett

Schlichtweg hinreißend und zum Höhepunkt des Abends machte Scheurle im perfekten Zusammenspiel mit der französischen Sopranistin Sarah Aristidou das Blumenduett aus Delibes’ Kolonial-Oper „Lakmé“. Nuancen- und farbenreich bis ins kleinste Detail und in jedem Moment zauberhaft transparent gesungen, begeisterten die beiden Frauen. Wobei Aristidou sich später auch noch mit der „Glöckchenarie“ als stimmtechnisch versierte Koloraturkönnerin empfahl.

Mit dem aus Polen stammenden Adam Kutny, ebenfalls Neue-Stimmen-Meisterkursus-Absolvent, kam ein breitaufgestellter Sänger auf die Bühne. Er scheute sich weder davor, augenrollend, mit heldenbaritonaler Attacke den testosterongesteuerten Stierkämpfer Escamillo aus Bizets „Carmen“ zu geben, noch mit tieferem Timbre den trügerischen Belcore aus Donizettis „Liebestrank“ zu singen.

Dass die Männer mit dunkler Stimmfarbe im Gegensatz zu den strahlenden Tenören immer die Ungeliebten in der Oper sein müssen, wie Moderator Martin Christian Vogel launig unterstellte, wusste Kutny gut zu parieren: „Das sieht hinter den Kulissen ganz anders aus.“

Der Niederländer Lienard Vrielink übernahm die Tenor-Partien des Abends, versuchte sich mit allzu kehlkopflastigem Timbre als ambitionierter Graf Almaviva und als schüchterner Nemorino.

Am Ende gab’s – erfreulich kitschbefreit – eine „letzte Rose“. Erst schön lyrisch aus der Flotow-Oper „Martha“ gesungen, dann auch real vom Quartett an die Zuhörer im Saal verteilt. Ein Duft von Rosen für den Heimweg.

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