Ein Kaiser regiert die Stadtschützen
Der Vorsitzende André Schnakenwinkel ist Kaiser.

Kaiserin ist Schnakenwinkels gleichaltrige Frau Britta, die im Jubiläumsjahr 2006/07 an der Seite von Frank Schmäling schon einmal Königin war. Und der Thron? „Die Entscheidung war so spontan, darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht“, erklären beide unisono im Gespräch mit der „Glocke“.

 

Schnakenwinkel hat allen Grund, dieses Jahr mit der Kaiserwürde zu krönen. Der Geschäftsführer des Malerbetriebs Hambrink und Grabke beging am 1. August sein Dienstjubiläum (25 Jahre), und er ist seit 25 Jahren Mitglied der Gütersloher Schützengesellschaft von 1832. Über dies ist die Ehre gleichsam Familientradition: 2001 regierte sein Vater Günter Schnakenwinkel die Stadtschützen als Kaiser mit seiner Frau Heidi.

Eine Stunde später als gewohnt beginnt das Vogelschießen im Heidewald am Montag um 12 Uhr unter der Leitung von Oberst Carsten Kuhlmann. Die beiden Gewehre sind stets dicht umlagert, womöglich auch, weil der eine oder andere unter dem Schießstand Schutz vor dem Regen sucht. Mehrere Schießpausen werden eingelegt, und bei einem besonders starken Guss flüchten die Besucher ins Festzelt.

Gleichwohl gelingt der Ablauf geradezu generalstabsmäßig: Um 14.40 Uhr setzen der Vorsitzende und sein Oberst ihre Hüte auf und zitieren die Schützen zurück zum Schießstand. Für 15 Uhr ist die Proklamation angekündigt. Parallel spielt der Musikverein Avenwedde dem scheidenden Thron um das Königspaar Guido Elbracht (43) und Vanessa Venne (40) im Zelt ein letztes Mal zum Tanz auf. Oberst Kuhlmann wird ihnen später für ein engagiertes und glänzendes Regierungsjahr danken.

Beim Finale am Schießstand ist anfangs nicht ganz klar auszumachen, wer ernste Absichten hat und wer etwas höher auf den Vogel zielt, damit er nicht fällt. Schnakenwinkel weicht kaum noch vom Gewehr, Oberst Kuhlmann schießt bis zuletzt mit, und Ambitionen werden auch Georg Müller nachgesagt, der seine Familie an seiner Seite hat. Er legt dann aber nicht mehr an.

Um 14.54 Uhr gibt Schnakenwinkel das Kommando „Entsichern!“ – der arg lädierte Vogel ist zum Abschuss freigegeben. Er fällt um 14.56 Uhr mit dem 632. Schuss. Schnell bildet sich eine lange Schlange von Gratulanten.

Die Zeit für eine Königin ist noch nicht reif bei den Stadtschützen. Als Bürgermeisterin Maria Unger am Sonntag beim Antreten auf dem Berliner Platz versehentlich von einer Königin aus eigener Hand sprach, ging ein Raunen durch die Reihen der Eingeweihten und der Vorsitzende André Schnakenwinkel griff korrigierend ein. Aber die Frauen streben mit aller Macht ans Gewehr, das ist beim Vogelschießen unverkennbar gewesen.

Insignien in Frauenhand

Schon mit dem 25. Schuss sichert sich Andrea Kees die Krone. Nikola Schmäling zieht mit dem 65. Schuss nach und schießt den Apfel ab. Das Zepter geht mit dem 113. Schuss an die Schriftführerin Regina Schneider, die 2008/09 an der Seite von Karl-Johann Lukarsch Königin war.

Zeitweise ist der Schießstand nur von Frauen regelrecht belagert, und Peter Hoffmann lässt sich in Vertretung von Oberst Carsten Kuhlmann zu der Bemerkung hinreißen: „Man könnte überlegen, ob es ein weiblicher Vogel ist, der da hängt.“ Die Regularien der Stadtschützen sehen übrigens vor, dass ein Krone-Schütze automatisch König wird, sollte sich kein Bewerber finden.

Aber soweit kommt es nicht. Mit den Flügeln übernehmen wieder die Männer. Georg Müller holt mit dem 296. Schuss den linken herunter, Markus Finke mit dem 521. den rechten. Als Schnakenwinkel das Finale einläutet, stehen traditionell nur noch Schützen an den Gewehren.

SOCIAL BOOKMARKS