Ein Name wird zum echten Phänomen

Frischgedruckt hält Autor Joachim Wibbing sein „Kiek-süh“-Lesebuch über Leben und Werk des plattdeutschen Schriftstellers Fritz Steinhaus in Händen. Im Hintergrund (v. l.) Steinhaus-Enkelin Juliane Hiersemann, Volksbank-Vorstandssprecher Thomas Sterthoff und Museumsleiter Dr. Rolf Westheider.

 Grund genug für die Volksbank Gütersloh, Augustin Wibbelts ostwestfälischem Bruder im Geiste, einem Autor mit Humor und Hintersinn, die aktuellen Heimatkundlichen Beiträge zu widmen. Auf 60 Seiten hat der Archivar der Bielefelder Stadtwerke, Joachim Wibbing, Wissens- und Lesenswertes aus dem Leben und Werk von Steinhaus zusammengetragen. Eine Hommage an einen literarischen Menschenfreund, dem der Schalk im Nacken saß. Jetzt wurde das in 1500er-Auflage erschienene, aufschlussreich bebilderte Heft im Gütersloher Stadtmuseum vorgestellt.

Plattdeutsche Sprache im Rampenlicht

Thomas Sterthoff, Vorstandssprecher der Volksbank, freute sich, dass die Broschüre dazu beitrage, dass die plattdeutsche Sprache einmal mehr ins Rampenlicht gerückt werde. „Platt“, so bekannte er augenzwinkernd, „ist eine herrliche Sprache. In ihr darf man sich auch heute noch erlauben, viel mehr zu sagen als auf gut Deutsch.“ Rund 1400 Geschichten, Gedichte, Werbetexte, Leserbriefe, Rundfunkbeiträge, Richtsprüche und Hochzeitsvorträge hat Fritz Steinhaus in seinem Leben verfasst – überwiegend auf Platt. Sie finden sich in seinem Nachlass und sind zum Teil in zwei „Kiek süh“-Bänden von ihm herausgegeben worden. Ein drittes Buch wurde posthum von seiner Witwe veröffentlicht.

Von Fißmers Annold und Hennerken Fechtel

Joachim Wibbing lässt Steinhaus’ „Helden“ wiederauferstehen: „Fißmers Annold“, der Gütersloher Nachtwächter, ist ebenso vertreten wie „Hennerken Fechtel“, der stärkste Mann von Bielefeld. Aber es sind nicht nur diese liebenswert geschilderten Originale vom platten Land, denen Wibbing nachforscht, sondern es ist auch der Mensch Fritz Steinhaus, der Gestalt annimmt. Der Gütersloher war offensichtlich ein ideenreicher, rühriger Unternehmer, ein guter Zuhörer, ein exzellenter Schreiber und ein kritischer Zeitgenosse. Dass er in dem Text „Wie die Nazis nach Gütersloh kamen“ deren Bewegung aus moralisch-sittlicher Sicht als „problematisch“ ansah, spricht für den konservativen Westfalen. Dass die NS-Kreisleitung Wiedenbrück ihn daher als „untragbar“ einstufte und er 1935 als Moderator des „Minden-Ravensberger Tages“ im Reichssender Köln abgesetzt wurde, auch. Selbst die plattdeutsche Feder Steinhaus’ war wohl schärfer als das Schwert.

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