Ein Schelm, der sich immer etwas denkt
Bild: Pieper
Sänger, Querdenker und Multiinstrumentalist Bodo Wartke begeisterte zusammen mit seiner Bühnenpartnerin Melanie Haupt in der Gütersloher Stadthalle.
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Eben noch klimpert er Klassik, schon tändelt er mit einem Tango. Gerade hat er dem lässigen Swing gehuldigt, schon ergibt er sich dem Blues. Und den weiß keiner so elegant-spitzbübisch, so tief- wie unsinnig auf „Tabus“, „konfus“ oder „Dessous“ zu reimen wie der 39-jährige Musiker, Sänger und Querdenker mit Wohnsitz in Berlin. Ein würdiger Georg-Kreisler-Erbe, aber kein Taubenvergifter.

Bodo Wartke lotet mit aufreizender Leichtigkeit und Cleverness, mit dem „Aussehen von Edward Snowden“ und der schlacksigen Attitüde des ewigen Musikstudenten die Höhen und Tiefen des menschlichen (Liebes-)Lebens aus – und ganz nebenbei auch noch mal eben die Fallstricke des alltäglichen Wahnsinns. Dafür gab es am Mittwochabend in der Gütersloher Stadthalle von einem begeisterten, bunt gemischten Publikum zwischen 12 und 82 Jahren langanhaltenden, lautstarken Beifall.

Auch in seinem fünften Klavier-Kabarett-Programm „Was, wenn doch“ beweist Wartke, dass man Intellektuelles durchaus mit Nonsens kombinieren kann, dass man kalauern darf, ohne sich damit gleich in die Reihe schenkelklopfender Stammtisch-Witzler einzureihen. Während er souverän in die Tasten haut, weiß Wartke in geschliffener Sprache munter von der großen, der unerfüllten, der kompromisslosen oder auch der fehlgeleiteten Liebe zu singen. Er lässt sich zum flotten Marsch über verbaute Städte in Deutschland aus, pariert im Stakkato die Lust der Deutschen, auf alle möglichen Knöpfe zu drücken und reiht mit virtuos intonierter Tristesse Philosophisches wie Perlen auf eine Schnur. „Was, wenn wir gescheitert, aber nicht gescheiter sind?“ fragt er und verlangt „Handeln aus einem authentischen Gefühl und nicht aus Kalkül“.

Richtig gut ist er im Zusammenspiel mit seiner langjährigen Bühnenpartnerin Melanie Haupt. Genial, wie die beiden am roten Faden der griechischen Mythologie entlang, aber ohne auch nur einen Moment fadenscheinig zu sein, Theseus, den Bezwinger des Minotaurus, in schönster Reimkultur heraufbeschwören.

Wartke kennt auch Wut

Überaus vergnüglich ist Bodo Wartkes Opernexkurs, in dem er Mozarts „Zauberflöte“ in modern-entschlackter Form präsentiert. Schluss mit dem Vorurteil „Oper ist, wenn Frauen schreien“. Ist das Libretto erst einmal von allen „frauenfeindlichen, rassistischen und bedeutungslosen“ Streugranaten befreit, zeige sich die Genialität des Werks allein in Mozarts Musik. Und schon trägt der Berliner – ganz Bildungsbürgersprößling mit augenzwinkerndem Hang zum Schlager – die Rachearie der Königin mit einem launigen „Hölle, Hölle, Hölle“ ins Publikum.

Indes: Der Kabarettist kann aber auch ganz anders, sogar wütend sein. „Wenn man über Religion singt, läuft man schnell Gefahr, religiöse Gefühle zu verletzen. Das ist nicht meine Absicht. Aber gleichzeitig werden seit geraumer Zeit meine aufgeklärt-humanistischen Gefühle verletzt“, bezieht er klar Stellung und kündigt seinen aktuellen Erfolgstitel „Nicht in meinem Namen“ an. Ein starkes Lied, in dem er sich gegen radikale, menschenverachtende Auslegungen jedweder Religion wendet, mit dem er mutig Flucht, Vertreibung, Unterdrückung, Krieg, Völkermord, Misshandlung und Missbrauch geißelt. Shalom, Inschallah und Amen.

 Den kompletten Bericht lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 24. Februar.

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