„Ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist“
Bild: Bojak
Die letzten Renovierungsarbeiten sind fast abgeschlossen: (v. l.) Nahrin, Aschur und Besna Dal in ihrer Grill-Stube Babylon, die Anfang November wiedereröffnet werden soll.
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 „Ich kann erst jetzt über das Unglück sprechen“, sagt die 44-Jährige. Gemeinsam mit ihrer Tochter Nahrin (25), Sohn Aschur (20) und einigen Handwerkern arbeitet sie in dem Ladenlokal und bereitet die Eröffnung vor. „Wir wollen Anfang November wieder starten“, sagt Besna Dal. Dass am 15. August niemand ernsthaft verletzt wurde, hält Besna Dal für ein Wunder. „Sonst ist an Donnerstagen immer viel los bei uns. An diesem Tag war es relativ ruhig. Deshalb habe ich unsere Mitarbeiterin gegen 15.30 Uhr nach Hause geschickt.“ Im hinteren Bereich des Lokals hätten noch einige Gäste gesessen. Der Fahrradfahrer, der bei dem Unfall vor dem Babylon von dem Geländewagen gestreift wurde, hatte gerade zwei Döner-Teller aus dem Geschäft getragen. „Ich wollte am nächsten Tag in die Türkei fliegen und habe an der Theke mit meiner Tochter besprochen, um was sie sich während meines Urlaubs kümmern sollte“, erzählt Besna Dal.

Die Mutter blieb ganz ruhig

Dann der Riesenknall. „Meine Tochter hat nur ,Mama‘ geschrien. Ich bin zur Seite gesprungen.“ Auch Nahrin Dal, die der Schilderung ihrer Mutter zuhört, schüttelt sich bei der Erinnerung an den Unfall. Wie sie auf die Straße gekommen ist, kann Besna Dal nicht mehr sagen. „Ich weiß nur noch, dass meine Tochter geschrien und geweint hat. Ich war ganz ruhig.“ Die Geschäftsinhaberin, die die Gaststätte gemeinsam mit ihrem Mann Morris und ihrer Tochter führt, vergewisserte sich zunächst, dass Nahrin nicht verletzt war. „Mein erster Gedanke war: ,Hoffentlich sind keine Toten unter den Trümmern.‘“ Die Einsatzkräfte der Feuerwehr beruhigten die unter Schock stehende Frau. Tochter Nahrin wurde ebenso in ein Krankenhaus gebracht wie der leicht verletzte Fahrradfahrer und die Autofahrerin. „Meinen zwei Mitarbeitern in der Küche, meinem Neffen und den Gästen, die im Lokal waren, ist nichts passiert“, sagt Besna Dal. Den geplanten Urlaub trat sie am nächsten Tag trotz des Unglücks an. „Ich konnte hier nichts machen“, erklärt sie. Die ersten Wochen durfte die Familie den Unfallort nicht betreten, weil die Gutachter erst ihre Arbeit verrichten mussten. „Mit meinen Gedanken war ich trotzdem die ganze Zeit in Gütersloh“, sagt Besna Dal.

Bis an die Grenzen der Kraft

Seit gut zwei Wochen renoviert die Familie Dal ihre Geschäftsräume. Die Frontmauer des Gebäudes ist inzwischen wieder aufgebaut, neue Fenster sind eingesetzt. Im Inneren ist die Theke erneuert worden, vor der der Wagen der Rietbergerin zum Stehen kam. „Wir haben alles neu gestrichen, einige Fliesen auf dem Boden ersetzt und für den vorderen Bereich neue Tische und Stühle gekauft“, erklärt Besna Dal. „Der Unfall und die Arbeit anschließend haben uns an die Grenzen unserer Kraft geführt.“ Die Familie, die den Grill-Imbiss seit fast 19 Jahren in Gütersloh betreibt, hatte den Betrieb erst vor zwei Jahren komplett renoviert. Der größte Teil der Arbeiten ist inzwischen abgeschlossen. In diesen Tagen müssen die Räume noch von Grund auf gereinigt und wieder vollständig eingerichtet werden. Besna, Nahrin, Morris und Aschur Dal planen, Anfang November den Grill am Bahnhof wieder in Betrieb zu nehmen. Besna Dal sagt noch einmal, was ihr seit dem Unglückstag am 15. August immer wieder durch den Kopf geht: „Ich danke Gott, dass niemandem etwas passiert ist.“

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