Eine Albtraum-Nacht der Brutalitäten
Dr. Carsten Ernst berät seinen Mandanten

Es ging es um die grausamen Vorgänge in einer Wohngemeinschaft in Gütersloh am 29. Juli 2010. Was der 28-jährige Zeuge dem Vorsitzenden Richter Reinhard Hülsmann schilderte, ließ die Zuhörer erschaudern. Gegen 22 Uhr habe er sich zum Schlafen hingelegt, um am anderen Tag für die Arbeit fit zu sein, so das Opfer. Da sei die Tür mit einem Knall aufgeflogen. Der Angeklagte, an diesem Abend Gast der Mitbewohner, habe sich mit den Knien auf seine Oberarme gesetzt und auf sein Gesicht eingeschlagen. Blut sei gegen die Wand gespritzt und aus seinem rechten Ohr geflossen, so der Zeuge.

Den Schläger angefeuert

Später habe der Angreifer mit einem Regenschirm auf ihn eingeschlagen. Der eine der beiden Mitbewohner habe den Schläger angefeuert und ihm geraten, lieber in den Bauchbereich zu schlagen, weil dort die Verletzungen nicht so offensichtlich seien. Der andere habe ihn mit einem Handylicht angestrahlt und das Ganze vielleicht gefilmt. „Ich hatte Todesangst, war erstarrt, denn solch eine Brutalität hatte ich noch nie erlebt“, sagte das sich wegen Drogensucht in Behandlung befindliche Opfer.

Das Martyrium soll sich noch bis etwa 4 Uhr fortgesetzt haben. Erst habe der Angeklagte das Wachs einer Grabkerze und später den geschmolzenen Kunststoff einer CD über seinen Rücken geträufelt, erzählte der junge Mann. Er hatte seinem Peiniger bereits Geld angeboten, damit der mit seinen Folterungen aufhört. Stattdessen habe der Beschuldigte mit einer Kneifzange versucht, dem sich in einem Albtraum Wähnenden einen Finger abzutrennen und ihm das Werkzeug dann in den Bauch gestoßen.

Zeugen erscheinen nicht

Auch habe der Aggressor mit den Worten „Was dann passiert, dagegen ist das heute wie ein Kindergeburtstag“ wüste Drohungen für den Fall ausgestoßen, dass das Opfer zur Polizei geht. „Er wolle dann meine Mutter und Schwester vergewaltigen“, gab der Zeuge die Worte seines Peinigers wider.

Die beiden als Zeugen geladenen damaligen Mitbewohner des Opfers erschienen nicht. Gegen sie wurde ein Ordnungsgeld von je 200 Euro verhängt.

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