Eine Kette für die Bürgermeisterin
Bild: Pieper
Edel und schlicht: So sieht sie aus, die Bürgermeisterkette, die an diesem Freitag an Maria Unger überreicht wird.
Bild: Pieper

Als Amtsinsignie sollte sie edel und schlicht sein. Und so ist sie auch geworden. An diesem Freitag wird die Kette Bürgermeisterin Maria Unger überreicht.

„Es ist eine mehr als interessante, weil seltene Aufgabe gewesen“, betont Niehaus. Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Dr. Karin Zinkann hat sie das doppelreihige, 282 Gramm schwere Schmuckstück aus mit 2 my Feingold vergoldetem 925er-Sterling-Silber entworfen.  „Wir waren uns schnell einig, dass das Stadtwappen zum Blickfang werden sollte, gekrönt von einem schlichten ,Gütersloh’-Schriftzug“, erklärt die Goldschmiedin. Die Überlegung, die Stadtteilwappen oder gar die Konterfeis früherer Bürgermeister einzufügen, wurde rasch ad acta gelegt. „Das hätte eher an eine Schützenkönigkette erinnert“, wiegelt die gebürtige Rheda-Wiedenbrückerin ab, die ihr Kunsthandwerk in der Gütersloher Goldschmiede Haines lernte. 30 Jahre war sie dort tätig. Als die Besitzer in den Ruhestand gingen, machte sich Ruth Niehaus vor fünf Jahren an der Königstraße selbstständig – auf schlanken 33 Quadratmetern. Der Schauraum ist gleichzeitig Werkstatt. Schon durch die Schaufensterscheibe können die Kunden sehen, was und wie die am Werktisch sitzende Goldschmiedin arbeitet.

Mehr als 20 Stunden hat sie bei der Bürgermeisterkette allein fürs Aneinanderfügen der 74 großen und 12 kleinen Silberglieder benötigt. Den ovalen Musterrohling dafür hatte Niehaus nach ausgiebigen Studien historischer Vorlagen gefertigt und zusammen mit einer gehörigen Portion Sterling-Silber an eine Gießerei geschickt. Die machte ihr daraus die gewünschten Kettenglieder in zwei verschiedenen Größen.

Diese matten Rohlinge mussten allerdings in akribischer Feinarbeit gerichtet, glatt geschliffen und dann mit den Silberösen zur doppelreihigen Kette aneinander gelötet werden. „Das Problem dabei war die Rundung“, sagt Niehaus. Denn eine Bürgermeisterkette wird nicht einfach um den Hals gelegt, sondern mit vergoldeten Nadeln an den Sakko- oder Blazerschulterstücken festgesteckt – damit sie im repräsentationsträchtigen Halbrund auf der Kleidung liegt. Für eine gelungene Rundung müssen die Ösen daher an ihrer Innenseite um zum Teil Millimeterbruchteile kleiner sein, als die auf der Außenseite. „Da muss man ein gutes Auge haben.“

Ein Schmuckstück

Das Wappen, auf dessen Rückseite „Ihrer Heimatstadt gestiftet – Familie Zinkann – I.IX.MMXII“ graviert ist, wurde aus einer Vier-Millimeter-Silberplatte geschnitten. Die innere Fläche wurde ausgesägt, damit die drei symbolisierten Flüsse Güterslohs sowie das Spinnrad darin später Platz finden konnten. Den übrig gebliebenen Rahmen lötete Niehaus auf eine ebenfalls wappenförmige Silberplatte, die danach an der fertigen Kette befestigt wurde. Als nun komplettes Schmuckstück wurde sie nach Baden-Württemberg in einen Galvanikbetrieb zum Vergolden geschickt.

Zurück in Gütersloh legte Niehaus in den Wappenrahmen zunächst eine grüne Plexiglasscheibe. Der Versuch, eine Platte aus grünem Jaspis – laut Bibel „der alleredelste Stein“ – für das Wappen zu bekommen, scheiterte. „Eine Edelsteinscheibe in der Größe war nicht zu kriegen“, bedauert Niehaus. Auf die grüne Scheibe befestigte sie die drei Flusssymbole für Ems, Dalke und Lutter aus 925er, rhodiniertem Sterling-Silber und vernietete das Spinnrad aus 750er-Rosé-Gold.

Alles in allem ein wertvoller Blickfang – und das nicht nur  an diesem Abend, wenn das Schmuckstück aus der eigens angefertigten Holzkiste genommen und der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Hintergrund

Die Amtsketten gehen auf das 19. Jahrhundert zurück. Freiherr vom Stein erließ 1808 die preußische Städteordnung, in der für Stadtverordnete, Magistratsmitglieder und Bürgermeister verfügt wurde, dass „bei Ausübung ihres Amtes goldene Medaillen an goldenen Ketten“ zu tragen seien. Amtsketten sind für den Träger seitdem das, was Krone und Bischofsstab für weltliche Herrscher und hohe kirchliche Würdenträger sind. Die Beschaffenheit der Kette hängt von der Stadtgröße und deren Bedeutung ab. Angehängt und eingearbeitet werden relevante Symbole der Stadt.

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