Eine Schule des Sehens und Erlebens

Was heutzutage an prominenten Orten – von Paris bis Dresden – stattfindet, erfährt jetzt auch in Gütersloh seinen Niederschlag. Die Woldemar-Winkler-Stiftung hat erstmals eine einwöchige Sommerakademie für Kinder eingerichtet. Seit Montag tummeln sich (leider nur) fünf Teilnehmer auf dem ebenso idyllischen wie weitläufigen Hof Piepenbrock an der Holler Straße 266. Sowohl für den Gastgeber Gerhard Piepenbrock, Kuratoriumsmitglied der Winkler-Stiftung, als auch für Christoph Winkler, Sohn und Sachwalter des 2004 gestorbenen Nestors der westfälischen Kunstszene, ist diese Sommerakademie ein lang gehegter Wunsch. Ziel ist es, Kinder zwischen 10 und 14 Jahren zwanglos an die bildende Kunst heranzuführen. Da macht es sich gut, dass das umfangreiche, imaginative Werk von Woldemar und auch von Christoph Winkler immer wieder Anregungen geben kann.

,,Kreativität muss sich frei entwickeln"

Ob Bilder oder Collagen, Plastiken oder Assemblagen, die Kinder erfahren viel über künstlerische Möglichkeiten und über die Ideen, die dahinter stecken. Beides soll als Initialzündung fürs eigene kreative Schaffen dienen, ebenso wie die vielseitige Hofanlage mit ihren wunderbar inszenierten Flächen und den mit kleinen Skulpturen versehenen Sichtachsen, die sich beim Spaziergang durchs Grün immer wieder öffnen. Mit Feuereifer experimentieren die Gütersloher Schülerinnen Sophia (12), Melissa (12) und Lisa-Leonie (12) sowie die aus Rietberg kommenden Schwestern Sara (9) und Lisa (11) dort mit Acrylfarben, Papier, Pappe, Steinen, Muscheln, Hölzern, Federn und was sonst noch im Angebot der Akademie ist oder sich im Umfeld finden lässt. Ob sie ihre Fundstücke direkt anmalen, bekleben, verändern, oder auch zerstören, um Neues daraus zu schaffen, das bleibt ihnen überlassen. „Kreativität muss sich frei entwickeln“, sagt Christoph Winkler als Dozent. Nur ab und zu gibt der Künstler einen Hinweis, bremst, wenn ein Zuviel des Guten die Wirkung der Arbeiten beeinträchtigen würde. Es ist eine Schule des Sehens und der Erfahrung, wie Kokoschka es sich gewünscht hat. Und eine des Ausprobieren – auch der eigenen Fähigkeiten. Die Kinder sind jedenfalls begeistert. Und die Macher zweifeln nicht an einer Neuauflage 2012.

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