Eine Wirtin zapft Silvester letztes Pils
Marka Holtkamp in der Parkschänke.

Weil sie aber bereits am 1. Mai 50 Jahre Pächterin des urigen Lokals sein wird, ist für diesen Tag eine zünftige Jubiläumsfeier geplant. Dass Marga Holtkamp so lange durchgehalten hat, ist nicht selbstverständlich. Als ihr Mann Werner, mit dem sie das Gasthaus 1962 übernommen hatte, vor 25 Jahren starb, dachte sie kurz ans Aufhören, und auch nach 40 Jahren merkte sie, dass die Arbeit – an Wochenenden bei Feiern schon mal bis 5 Uhr morgens – ihren Tribut forderte. Ohne die Unterstützung ihrer Kinder Gabi (40) und Bernd (55) sowie des hinter der Theke stehenden Enkels Torben (30) wäre wohl schon eher Schluss gewesen.

15 Vereine erhalten am Leben

 Immerhin bis Silvester 2012 weiterzumachen, dazu hätten sie ihre Sänger von den Werkmeistern, den Buchfinken und der Harmonie überredet, sagt die Wirtin. Viele Gruppen wollen sich noch gar nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass sie sich ein anderes Domizil für Versammlungen und gemütliche Stunden suchen müssen. „Ich habe mindestens 15 Vereine, die mich am Leben erhalten“, so Marga Holtkamp. „Denn ohne sie ist heutzutage nichts mehr zu verdienen“, meint sie zum Alltagsgeschäft, das früher ganz anders gelaufen sei. „Wenn es regnete, kamen die Arbeiter vom Bau, versackten bei uns und vertranken den Lohn“, erinnert sich die Wirtin. „Und dann haben sie am Samstag schwarz gearbeitet, um das Geld wieder reinzuholen.“

Speisekarte ohne Firlefanz

Von Familienfeiern in der „Parkschänke“ wissen viele Gütersloher zu erzählen. Bis vor zwei Jahren hat die Pächterin noch selbst mitgekocht. Wild, Kassler, Sauerbraten, Schweinsbraten: Experimente sind tabu. Holtkamp: „Wir haben nicht so’n Firlefanz, was sie heute alles so essen.“

Dafür gibt es an der 50 Jahre alten Theke noch ausgestorben geglaubte Runden. „Wenn hier zu ist, tragen wir alle Trauerflor“, spricht Familie Hempel für jene sechs Stammgäste, die täglich ab 15.30 Uhr eine Stunde lang in Schankraum klönen. Die Ablösung erfolgt um 18 Uhr, wenn die Knobelrunde erscheint, übrigens auch samstags ab 13 Uhr. Namensplaketten an der Theke zeigen an, wer wo sitzt.

So manche Träne wird verdrückt werden, wenn die „Parkschänke“ schließt. Wer sie übernehmen möchte, muss hohe Kosten für die Renovierung einkalkulieren.

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