Eltern ergreifen selbst die Initiative
Bild: Dinkels
Viele Partner, ein Ziel: Zum symbolischen ersten Spatenstich versammelten sich am Montag die künftigen Bewohner, Eltern, Betreuer, Bauträger und Bürgermeisterin Maria Unger (Mitte) an der Baustelle.
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Am Montag trafen sich die Beteiligten zum Spatenstich für den Neubau an der Baustelle. Der Investor Andreas Krähenhorst (Rietberg) errichtet dort ein dreigeschossiges Wohnhaus. Im Erdgeschoss sollen acht junge Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren Apartments beziehen, wo sie von Bethel regional betreut werden. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe zahlt die Betreuung. Die Mieten werden über die Grundsicherung aufgebracht.

Bis dahin war es ein weiter Weg. „Wir haben uns auch gebrauchte Immobilien angeschaut, aber sie haben nicht gepasst“, sagte Axel Büchsenschütz für die Initiative. Schließlich gelang es den Eltern, die Stadt zum Verkauf des etwa 1000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Heinrich-Kropp-Straße an den Bauträger Krähenhorst zu bewegen. Der baut dort jetzt nach den Plänen des Architekten Klaus Heißmann für 1,4 Millionen Euro (einschließlich Grundstück) ein Gebäude, das den besonderen Anforderungen Rechnung trägt.

Den acht Bewohnern im Erdgeschoss steht außer gut 38 Quadratmeter großen Apartments ein Gemeinschaftsraum mit Küche zur Verfügung. Nach Angaben der Betel-Regionalleiterin für den Kreis Gütersloh, Heike Weber, werden sie dort bei Alltagsdingen wie Waschen, Einkaufen und Freizeitgestaltung unterstützt. Die jungen Menschen haben alle im Berufsbildungsbereich des Wertkreises (Filb) eine Ausbildung gemacht und arbeiten in der Werkstatt an der Hans-Böckler-Straße. Bisher wohnen sie zumeist noch bei ihren Eltern.

Ins erste Obergeschoss ziehen ebenfalls junge Menschen mit Behinderung, die allerdings eine ganztägige Betreuung von Bethel benötigen. Sie ziehen um aus einem Gebäude an der Lothringer Straße, das nicht barrierefrei ist. Im Dachgeschoss werden vier Wohnungen ausgebaut, die vermietet werden. Das Belegungsrecht für alle Plätze hat die Stadt.

Das Projekt sei eine Herzensangelegenheit und von vielen Menschen bei den zuständigen Stellen unterstützt worden, sagte Büchsenschütz. Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) war am Montag voll des Lobes. Sie begrüßte die Elterninitiative ausdrücklich und sagte, die Stadt sei immer dankbar für ein solches Engagement.

Dezentrale Wohngruppen seien ein Ziel der Sozialpolitik, um die Integration zu erleichtern, sagte Büchsenschütz. Allerdings gebe es dafür nicht genügend geeigneten Wohnraum. Den Namen „Full House“ haben übrigens die Jugendlichen selbst ausgesucht.

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