Ereignisreiche Tage im Juli
Bild: Dünhölter
Ganz entspannt sieht Dr. Gunter Thielen dem Ende seiner 32 Jahre währenden Tätigkeit für Bertelsmann entgegen. Mit seinem 70. Geburtstag am 4. August gibt er den Vorsitz im Vorstand der Stiftung ab, Ende des Jahres den Vorsitz im Aufsichtsrat der AG.  
Bild: Dünhölter

In den nächsten Tagen werden sich die Ereignisse überstürzen – und das Gespräch wird nie veröffentlicht. Noch heute, zehn Jahre später, versichert Thielen bei einem erneuten Interviewtermin anlässlich seines 70. Geburtstags und des Ausscheidens als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, er habe damals nicht geahnt, was kommen würde. 

Es war der Sturz von Dr. Thomas Middelhoff, damals 49 Jahre alt und Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, der sich mit der Familie Mohn als Mehrheitsgesellschafterin und dem Aufsichtsrat überworfen hatte. „Unterschiedliche Auffassungen über die künftige Strategie und die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand“ lautete die offizielle Begründung, die am Sonntag, 28. Juli, nach einer Aufsichtsratssitzung verkündet wurde.

Tatsächlich wollte Middelhoff Geld an der Börse einsammeln und dazu wohl bis zu 49,9 Prozent des Konzerns an die Börse bringen, wie sich später herausstellte. Am Freitag jener krisenhaften Woche kam es in einem Gespräch zum Bruch mit der Familie. 

Was folgte, war ein Tabubruch: Bis dato galt beim Gütersloher Medienkonzern die eherne Regel, dass Spitzenmanager mit dem 60. Geburtstag aus dem operativen Geschäft ausscheiden (müssen). Schon Middelhoffs agiler Vorgänger Dr. Mark Wössner hatte sich damit vier Jahre zuvor schwergetan. Bei Thielen wurde jetzt eine Ausnahme gemacht. Top-Manager werden bei Bertelsmann langfristig auf ihre Aufgabe vorbereitet. So schnell stand deshalb keiner bereit. Thielen sprang auf Wunsch von Reinhard und Liz Mohn in die Bresche. 

Statt in ruhigere Gewässer bei der Stiftung zu gleiten, musste er als Vorstandschef noch einmal eine Schüppe drauflegen: das operative Geschäft konsolidieren, die Musiksparten von Sony und BMG fusionieren, den Anteil an RTL aufstocken, den Rückkauf eines Aktienpakets des belgischen Finanzinvestors GBL für 4,5 Milliarden Euro stemmen und einen neuen Vorstandschef aufbauen.

Anfang 2008 übernahm sein Nachfolger bei Arvato, Hartmut Ostrowski, den Vorstandsvorsitz und Thielen wechselte endgültig hinüber zur Stiftung. Dort sprach er nun erneut mit der „Glocke“. Das vollständige Interview lesen Sie am Dienstag in der „Glocke“.

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