Ernstes und Heiteres beim Poetry Slam
Bild: Reckeweg
Siegerehrung: Jonas Helmich überreichte ein Gewinnergeschenk an Tobias Engbring. Die anderen Teilnehmer applaudierten.
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Im Oktober darf er nun an der NRW-Landesmeisterschaft in Bochum teilnehmen.

Zweieinhalb Stunden ging es am Freitag auf der Dalke-Insel hoch her. „Der Highlander ist das Saisonfinale: Alle, die hier auftreten, haben schon mal etwas gewonnen“, erklärte Niko Sioulis, der in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit Jonas Helmich moderierte.

Die Jury: das Publikum. Sieben Werte-Tafeln wurden verteilt, die nach jedem Auftritt hochgehalten und zusammengezählt wurden. Aus den ersten fünf und den letzten fünf Kandidaten wurde dann derjenige mit der jeweils höchsten Punktzahl ins Rennen geschickt.

Nahezu alle Slammer präsentierten ernste Texte. Nur Christofer mit F durchbrach die Nachdenklichkeit und brachte das Publikum mit „Captain Latin“ gehörig zum Lachen. Er konnte aber auch als einziger seinen Text nicht zu Ende führen, da das Zeitlimit von sechs Minuten erreicht war.

Leander Rudolph, Felix Klösters und Max Gerbracht ergatterten eine der Jury-Tafeln, gingen mit den Slammern jedoch von allen am strengsten ins Gericht. „Wir sind oft bei Poetry-Slams dabei“, berichtete der 21-jährige Leander. „Dadurch kennt man vieles schon, und manche Themen sind sehr üblich.

Einen Text über Kunst oder Sprache zu schreiben, damit machen es sich die Kandidaten halt einfacher als andere.“ Felix pflichtete ihm bei. Außer dem Vortragsstil und der Textsicherheit seien ihm Originalität und Authentizität besonders wichtig. „Der lyrische Anspruch, die emotionale Ansprache, ob der Text gut verständlich ist, man gut folgen kann und auch, ob der Slammer einen fesseln kann“, zählten die jungen Männer ihre Bewertungskriterien auf.

Nachdem sich Nadine Dubberke mit ihrem Alltagsmärchen und Tobias Engbring mit einem Text über die Sprache schließlich ins Finale geslammt hatten, trugen beide einen jeweils neuen Text vor. „Der schwarze Tabak lässt sie husten, sie ist grad vor zehn Leuten und einem Penner aufgetreten.“ Unter ihrer Maske sei alles wahrscheinlich schon verwest und erstickt. Nadines Text endet mit einer klaren Botschaft: „Im Leben sollte man ein Publikum finden, das einen auch ohne Maske liebt.“

Auch Tobias beendete sein „Beziehungsweise“ über verschiedene Typen Männer und Frauen sowie über Plattformen wie Tinder, „die die Gefühle missbrauchen als könnte an jeder Ecke wer besseres auftauchen“, mit einer Weisheit: „Es gibt Paare, die sind glücklich, bis dass der Tod sie scheidet.“

Leander war zufrieden mit der Entscheidung. „Ich fand beide Texte von ihm gut, das ist ein verdienter Sieg.“

Weltpolitik und menschliche Abgründe

Viele Texte setzten sich mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinander und schienen von Sorge gefärbt. Jay Nightwind widmete sich der Bundeswehrkampagne. Daniela Sepehri schlüpfte in die Rolle eines syrischen Mädchens im Krieg. Sophie Malecha trug ein Liebesgedicht an die Kunst vor. Beatrice Wypchol widmete sich Wiederholungsfehlern, und Nadine Dubberke erzählte ein Alltags-Märchen.

„Es ist in Mode, lieber öffentlich dumm als heimlich schlau zu sein“, schallte es über die Insel. Kurz danach wurde die Pause eingeläutet.

Die zweite Hälfte startete Felicitas Friedrich mit „Ich trag dich im Herzen so oder so, du musst dich nicht messen“, gefolgt von Tobias Engbring, der klare Worte fand: „Nach Adolf kommen Trump und lauter rechtspropagierende Idioten in den Parteien“ oder „Egal, welche Sprache du nutzt, solange ihr Hand in Hand beieinander steht, heißt das, dass ihr euch nicht wie die Affen benehmt“.

Aylin Celik stellte die Frage, ob die Welt wieder gut wird, ja, nein, vielleicht. Und Berit Kruse verglich die kleine Welt einer Studentin mit der großen Welt, in der Kriege stattfinden. Den Schluss machte Christofer mit F mit „Captain Latin“, der eine Generalabrechnung mit „Du bist kein Nazi aber“, Flüchtlingen, Homophobie und Kosmetikartikeln vorlegte.

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