Fast 80 und noch kein bisschen leise 
Bild: Klostermeier
Exzellent an der Bassklarinette: Multiinstrumentalist Gunter Hampel, flankiert von Tochter Cavana, setzte mit seinem European-New-York-Quartett die Reihe „European Jazz Legends“ im Theater Gütersloh fort.
Bild: Klostermeier

„Wir leisten ja immer noch jeden Abend Pionierarbeit, die viel Spaß macht“, erklärte Gunter Hampel. „Das hält mich jung“, sagt der Mann. So jung, dass er sich auch von einem Unfall nicht von einem Auftritt in Gütersloh abhalten ließ. Am Samstag trat Gunter Hampel, der am 31. August seinen runden Geburtstag feiert, wie selbstverständlich auf die Bühne.

Und zwar nicht durch den üblichen Eingang, sondern über die lange Treppe hinunter durch den gesamten Saal. Seine Mitmusiker im Schlepptau, spielte Hampel dabei bereits die ersten Takte des Auftaktstücks auf der Bassklarinette. Beginn eines erstklassigen Konzerts, bei dem das improvisierte Zusammenspiel in der Gruppe im Mittelpunkt stand. Und das schlussendlich den Beweis erbrachte, dass leidenschaftliches Musizieren den Menschen tatsächlich jung hält.

Für sein Konzert in der Reihe „European Jazz Legends“ hatte Gunter Hampel außer seiner Tochter, der Sängerin Cavana Lee Hampel, auch noch seine beiden langjährigen Mitstreiter Johannes Schleiermacher am Tenorsaxofon und Bernd Oezsevim am Schlagzeug engagiert. Als Kollektiv präsentierten die vier ein Musterbeispiel an musikalischer Kommunikation, Dialogbereitschaft und kreativem Zusammenspiel.

 Der Bandleader bediente sich dabei außer einer sinistren Bassklarinette auch noch des Vibraphons und der Flöte – während er den bereitgestellten Flügel komplett ignorierte. Sein Augenmerk lag spürbar nicht auf der solistischen Improvisation als Selbstzweck. Vielmehr ging der auch musikalisch sehr weise agierende Freejazzer voll und ganz in der Gruppe auf - weshalb das Quartett an diesem Abend viel unisono spielte. Dabei musizierten alle Bandmitglieder gemeinsam, und das taten sie äußerst virtuos und variantenreich. Die Stimme von Cavana Lee Hampel fügte sich als viertes Instrument prächtig ins Kollektiv ein. Die Tochter des Bandleaders agierte, was sehr genreuntypisch ist, eher im Hintergrund, sang mal perkussiv, mal scattend, mal dadaistisch, kurz: mit großer Variabilität und enorm vielen Klangfarben.

Auf der Bühne war stets eine positive Energie zu spüren, die sich wie selbstverständlich aufs Publikum übertrug. Auch dort war die Kommunikation also erstklassig, was Gunter Hampel am Ende mit trockenem Humor kommentierte: „Vielen Dank fürs gute Zuhören!“

SOCIAL BOOKMARKS