Faust: Theatererfolg für die Malteser 
Bild: Pieper
Jubel auf allen Seiten: Nicht nur die „Libanon on stage“-Akteure um Dr. Reinhard Zinkann (im Tutu) hatten Grund zur Freude nach ihrer „Faust“-Aufführung im Theater Gütersloh.
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Die restlos begeisterten Zuschauer jedenfalls skandierten am Sonntag im Theater Gütersloh bei ihrer Schlussapplaus-Stampede „Super! Super!“ Ein traumhafter Tournee-Abschluss für das Benefizprojekt „Libanon on stage“.

Wild, farbenfroh, frisch und frech – aber nie respektlos gegenüber der literarischen Vorlage. Wie man mit viel Witz und Tempo, mit flotter Musik, pointierten Seitenhieben und mancher Überraschung Goethes Meisterwerk vom Staub bildungsbürgerlicher Beflissenheit befreit, das hat die Laienspieltruppe der Gemeinschaft junger Malteser unter der ideenreichen Regie von Severin Hoensbroech gezeigt. Alles für einen guten Zweck. Denn der Erlös des Abends kommt – wie berichtet – dem Libanon-Projekt zugute. Einer Hilfsaktion der Malteser für körperlich und geistig Behinderte in dem arabischen Land.

Dr. Reinhard Zinkann, geschäftsführender Gesellschafter der Miele-Gruppe, der als namhaftes Mitglied des Malteser-Ordens die Begrüßung übernahm, hatte als tatkräftiger, spendensammelnder Schirmherr der Aktion vor Ort schon im Vorfeld nicht gerade mit Vorschusslorbeeren gespart. Und er sollte Recht behalten.

Dr. Reinhard Zinkann als Erzengel Michael

Dass der Miele-Chef zudem mit großer Spielfreude selbst in diverse Rollen schlüpft, hat zusätzliches Staunen ausgelöst. Als Bürgermeister – welch interessante Idee – lustwandelt er munter und gänzlich vom Eise unternehmerischer Verantwortung befreit, beim Osterspaziergang über die Bühne. Als flügelbewehrter Erzengel Michael schickt er – Halleluja! – mit hingebungsvoller Geste Gebete in den Bühnenhimmel. Und in der Walpurgisnacht tummelt er sich rot bestrumpft und im neckisch wippenden Tutu unter Hexen.

Es gehört viel Mut dazu, sich zu trauen, in einer immer wieder so burlesk ausbrechenden Faust-Revue wie dieser, dem Affen auch noch Zucker zu geben. Dr. Zinkann hat es – frei nach Fausts Maxime „Im Anfang war die Tat“ – für den guten Zweck gewagt. Der Jubel für ihn und alle übrigen, engagierten Akteure sowie die rund 10 000 Euro, die am Sonntag im fast ausverkauften Gütersloher Theater zusammengekommen sind, dürften die verdiente Anerkennung sein.

Gerettet, nicht gerichtet

Es ist es schade, dass diese übersprudelnde „Faust“-Produktion jetzt in der Versenkung verschwindet. Allein, welch wunderbare Idee, Gott von einem Kind (Alexander Heereman) und Star-Wars-Fan spielen zu lassen. Der Weltenherrscher im Miniformat rockt gleich eingangs mit Bon Jovis „It’s my life“ die Bühne. Da weiß man doch, wo’s lang geht.

Überhaupt, die Musik: Die neunköpfige „Me-Faust-O“-Band hat zig Seelen in ihrer Brust. Sie lässt gekonnt zu „Voll gerne“ aus Disneys „Vaina“ die Geister tanzen. Und Faust nimmt wie von Mary Popppins verordnet, erst ein „Löffelchen voll Zucker“, ehe er ins Bett der Angebeteten hüpft. Derweil wispert das keineswegs verzopfte Gretchen (Josefine Lütz) Marilyn-Monroe-mäßig „I wanna be loved by you“. Philipp Boeselager spielt den jungen, Felix Löwenstein den alten Faust. Beide mit jeweils passendem Temperament.

Welch himmlisches Spiel

Elisabeth Stauffenberg und Alexander Lengerke teilen sich die Rolle des Mephisto. Herrlich wie sie in Auerbachs Keller, umgeben von einer feierwütigen Studentenschar, auf dem Tisch tanzt, und genau wie einst Hildegard-Knef als großartige Sängerin ohne Stimme „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ fordert.

 Caroline Löwenstein spielt schön berechnend die Marthe. Robert Heereman mimt vollbusig-skurril die Hexe. Und Emelie Heereman ist der freche kleine Pudel mit der flinken Zunge, dessen Kern erst spät erkannt wird.

Das Ende mit Mord und Totschlag ist bekanntlich tragisch, aber nicht hoffnungslos. Der kleine Gott erklärt Gretchen kurzerhand für gerettet und – zumindest in Gütersloh – den Faust gleich mit. Welch himmlisches Spiel.

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