Fiesling Stromberg ist wieder da
Bild: Steinecke
Auf der Bühne im Cinestar: (v. l.) Jennifer Schirrmann, Geburtstagskind Simone sowie der Serienstar Christoph Maria Herbst und Bjarne Mädel. Herbst überreicht ein zweideutiges Geschenk.
Bild: Steinecke

Kino-Geschäftsführer Mario Reinhardt war angesichts des prominenten Besuchs sichtlich nervös. Mehr als 350 Karten waren im Vorfeld verkauft worden. Aus diesem Grund stellten die Organisatoren einen zweiten Kinosaal zur Verfügung. Insgesamt wurden gut 400 Zuschauer erwartet, die sehen sollten, wie man mit gesundem Halbwissen gekonnt nach oben buckelt und nach unten tritt.

Und dann ist er endlich (wieder) da. Die Tür des Hintereingangs geht auf, und der „nette Fiesling“ steigt die Treppe empor. Der gepflegte Spießerbart ist einem gepflegten Dreitagebart gewichen. Die Stromberg-Mimik sitzt aber auf den Punkt. Zehn Jahre und fünf Staffeln der Fernsehserie prägen eben.

„In Stromberg steckt eine Menge Herbst“, sagt der 48-Jährige. Damit ist nicht der fremdenhassende und frauenfeindliche Soziopath seiner Rolle gemeint. Wohl aber der gutbürgerlich erzogene Mann, der leicht unentfaltet einen bedauernswerten Eindruck macht. „Es macht Spaß, so jemanden zu spielen“, erklärt der gebürtige Wuppertaler. Eine Figur, an der man sich reiben kann, aber die auch zum Fremdschämen verleitet. Herbst weiter: „Stromberg ist in seiner Jämmerlichkeit niedlich und möchte gern in den Arm genommen werden.“ Ein wenig ist er die Fortsetzung von Ekel Alfred, nur subtiler.

Ihr Fett bekommen alle in Strombergs Umgebung weg. Berthold „Ernie“ Heisterkamp alias Bjarne Mädel (45) ist Strombergs Lieblingsopfer. Mit zottigem Vollbart ist er angereist. Lange Haare ragen unter der Strickmütze hervor. Er spielt gern mit Herbst zusammen. „Christoph ist sehr präzise. Bei Komik ist das ganz wichtig“, sagt Mädel. Und am Set ist er ein guter Leitwolf, der alle positiv mitzieht. Mädel: „Der macht morgens schon einen Spruch, und dann sind alle gut drauf.“

Auch Diana Staehly ist von dem Fernsehfiesling und der Stimmung bei den Dreharbeiten begeistert. „Wir sind ein lustiger Haufen“, sagt die 36-Jährige. Die Männer sind es, die sich die lustigen Sprüche um die Ohren hauen. Das funktioniert als Stimmungsaufheller wunderbar. Die Schauspielerin hält sich da aber lieber im Hintergrund und genießt im Stillen. Staehly: „Das ist ein Männerding. Da muss ich mich als Frau nicht zwischenhängen.“

Der filmische Stromberg-Stil mit der unruhigen Situations-Kamera wurde eins zu eins auf die Leinwand transportiert. Ein Stromberg bleibt sich eben treu und weiß, was seine Fans sehen wollen. Und bei seinem Auftritt im kleinen, nicht ausverkauften Kinosaal ist Herbst dann auch wieder ganz in seiner Rolle, wenn er sagt: „Ich hättet auch alle hier unten Platz gehabt. Dann hätten wir ein größeres Völlegefühl.“

Crowdfunding

 „Wir sind ja quasi Weltmeister. In dieser Größenordnung und so schnell gab es das noch nie. Von einem dreimonatigen Zeitfenster sind wir ausgegangen. Nach sechs Tagen war der Sack voll. Einige Fans haben so viel Geld gegeben, dass sich nur 3000 Investoren beteiligen konnten“, sagte Christoph Maria Herbst im Gespräch mit der „Glocke“. Finanziert wurde der Film durch sogenanntes Crowdfunding (Schwarmfinanzierung). Das bedeutet, dass sowohl Fans der ersten Stunde als auch jene, die den Bürodrachen erst vor kurzem für sich entdeckt haben, einen Betrag ihrer Wahl in die Produktion des Films investieren konnten. In sechs Tagen kam die benötigte Summe von einer Million Euro zusammen. Laut Herbst handelt es sich eigentlich um „Crowdinvesting“, da seine Unterstützer nicht nur Geld verprassen würden, sondern investierten.

Einer seiner Sponsoren, ein Unternehmer aus Mastholte, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte: „Ich habe insgesamt 20 Leute angeworben, Freunde und Familienangehörige. Ich gehe von einer guten Rendite aus. Investiert haben wir insgesamt 10 000 Euro und hoffen nun auf eine Summe von 15 000 Euro im Umkehrschluss.“

Nicht nur die Fans konnten auf diese Weise profitieren: Sie wurden Teil ihres geliebten Strombergs und bekamen mitunter auch Premierenkarten für den Kinostart in Köln. Für das Team um Christoph Maria Herbst sind die Dreharbeiten entspannter gewesen. „Wir haben den Druck der Investoren nicht gespürt“, so Regisseur Arne Feldhusen.

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